Von der Huben her stiegen sie zum alten Markte und der Pfarrkirche hinunter. Der ausgesteckte Strohwisch schwebte über den Buden und Ständen, in denen Bäcker und Lebzeltner, Zinngießer und Messerschmiede, Schneider und Schuster, Büchsenmacher und Nadlermeister, Töpfer und Drechsler, Weinhändler und selbst der Apotheker ihre Waren feilhielten. Nur Clemens fehlte mit einem Stande auf dem Markte. Da er in Schlaggenwald keinen Mitwerber hatte, konnte er sich es leisten, seine Bücherkundschaft zu sich in die Wohnung zu zwingen. Auch viel fremdländische, italienische und niederländische Ware war am Markte vertreten und fand Stauner und Käufer genug. Aufgeregter Lärm, Handeln, Zanken und Schreien hüllte die Stände und Schragen ein. Am Aufgang zum Kirchentore, wo die mit Pranger Bestraften sonst zu stehen hatten, wurde eben das Tanztürmlein aufgestellt, das Margareten und Clemens aus der letzten Fasnacht noch in Erinnerung war, hatte in ihm doch strafweise die Portnerin ihres unzüchtigen Tanzens wegen stehen müssen, wofür sie von allen Fasnachtteilnehmern ausgelacht worden war. Was aber hatte das Narrenhäuslein heute am öffentlichen Markt zu bedeuten? Windweber, der Ratsherr und Berggeschworene, der daher kam und freundlich grüßte, konnte ihnen Auskunft geben.
Die Portnerin wäre überführt worden, auch nach der Fasnacht ihr unzüchtiges Wesen weiter getrieben und nun gar die Ehe gebrochen zu haben. Was zu Fasnacht scherzhaft am Tanzboden bestraft worden war, das würde nun im Ernste und öffentlich fortgesetzt. Vier Wochen lang würde an Markt- und Sonntagen das ungetreue Frauenzimmer öffentlich zur Schau gestellt. Zur Warnung für jedermann.
Clemens und Margarete dankten und entfernten sich rasch. Das enge Gäßlein führte sie zum neuen Markte hinunter, dessen neue, wohlfeile Häuser im lauten Gegensatz zu den wettergebräunten und meist hölzernen Häusern standen, die am alten Markte die Pfarrkirche als Zeugen überwundener ärmerer Zeit umgaben. Zwischen Gehänge und Bach wetteiferte ein Haus mit dem anderen in seiner hellgetünchten, einstöckigen Sauberkeit, in der Steilheit seines neuen, schindelgedeckten Daches, in der Schönheit seines Giebels oder in der Gediegenheit seines gezierten Haustores mit Sitzkonsolen, Bogengesimse, mit Köpfen geschmückten Kreisfüllungen und der krönenden Wappentafel. Unter dem gewaltigen Röhrkasten, gleich neben dem Nidermannhaus, stand ein Lastwagen vor dem Tore, hinter dem sich die Bücherstube Stephanis befand. Als sie schon ganz nahe gekommen waren, setzte sich das Fuhrwerk eben in Bewegung und fuhr davon.
Aus der Einfahrt ertönte eine kräftige, junge Mädchenstimme; Clemens und Margarete beeilten sich. Sie konnten sich nicht erklären, wem die Stimme gehören könnte. Sie hatten morgens doch ein leeres
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