Die Töppeleser Brand- und Nachtwache 1919 bis 1922
Aus der Chronik wissen wir bereits, daß schon im Jahre 1908 von der Gemeinde ein Nachtwächter (der alte Ontl), ausgerüstet mit Horn, Anzündeleiter und Laterne, fest angestellt war und nach einem halben Jahr seine Tätigkeit wegen der täglichen Bubenstreiche (Jahrgänge 1892—1899) höchst ungern wieder aufgeben mußte. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie im Oktober 1918 war die Lage wesentlich ernster. Über Einbrüche und Brände in der nächsten Umgebung berichteten ausführlich die Zeitungen. Auf- und abwärts der Kaiserstraße waren zweifelhafte Typen, wie Einbrecher, Landstreicher, Schnaps- und Tippelbrüder unterwegs, Moral und Sitte — wie nach jedem verlorenen Krieg — sehr gelockert. Im Einvernehmen mit der Petschauer Gendarmerie kam es nun zur Aufstellung einer Brand- und Nachtwache, die dank der gut organisierten Planung und Überwachung durch den ehemaligen 73er Stabsfeldwebel Josef Markof, sich als eine segensreiche Selbsthilfe erweisen sollte. Die Mehrheit der Bevölkerung hatte entschieden, daß jeder Hausbesitzer einen Mann zur Nachtwache abzustellen hatte. Wer dies aus irgend welchen Gründen nicht tun konnte, war verpflichtet, gegen Bezahlung von zwei Kronen einen Ersatzmann zu stellen.
Nach den Schlagzeilen „Nie wieder Krieg" war dieser halbmilitärische Dienst für unsere Heimkehrer aus verständlichen Gründen nicht gerade verlockend. Als nicht anziehend kam noch hinzu, daß damals die Wirtschaft des Dorfes in voller Blüte stand. Nicht nur die Porzellanfabrik arbeitete auf Hochtouren, auch die Ziegelhütte, das Lohnfuhrwerk sowie der Butter-, Milch- und Geflügelhandel, hatten Hochkonjunktur. Selbst die Glassteinbrüche konnten ihre Lieferungen nach Neusattel beträchtlich steigern. Die nationale Unterdrückung auf dem Lande war noch nicht besonders spürbar und der Geldumlauf beachtlich. Kein Wunder, daß bei diesen günstigen Voraussetzungen das Vergnügen, wie Tanz, Musik und Kartenspiel, ferner auch die Jagd nach den entsagungsvollen Kriegsjahren bei den Heimkehrern den Vorrang hatten.
Selbst an Wochentagen waren abends die vier Gasthöfe von Stammgästen (Kartenspielern) bis zur verlängerten Sperrstunde um ein Uhr gut besucht. Es gab fanatische Spieler, die lieber zwei Kronen für den Ersatzmann zahlten, als auf die Gelegenheit eines möglichen Spielgewinnes von zehn Kronen und mehr zu verzichten. Jeder Gastwirt empfand es als Ehrensache, den Nachtwächter als gerngesehenen Gast mit einer Mahlzeit a la Hausmarke freizuhalten. Ferner fand sich immer ein Gewinner, der ein Gläschen Rum oder Becherbitter spendierte. Jede Nacht kamen zwei Wächter zum Einsatz; der eine hatte Vormitternacht- und der andere Nachmitternacht-Dienst. Es gab vier Alarm-
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