Der Brückeneinsturz in Schönwehr im Jahre 1895
Von Willibald Schuster, dem Älteren, Oberlehrer i. R.
Die Holzbrücke, die das Dorf mit der Straße verband, ist erst im Zuge des Straßenbaues errichtet worden. Ihre Tragfähigkeit war nicht sehr groß, doch genügte sie der geringen Belastung durch die Bauernfuhrwerke. Erst nach Errichtung Diets (Gängerers) Ziegelhütte wurde dies anders. Die Kohlenfuhren für den Ziegelbrand und die Abfuhr der Ziegel beanspruchten die Brücke immer mehr. Wir Knaben hielten uns gern unter der Brücke auf, besonders wenn ein Fuhrwerk darüber fuhr. Da bewegten sich die als Fahrbahn gelegten Balken, Staub und Schmutz fiel auf unsere Köpfe herab und das dumpfe Dröhnen gefiel uns. Sobald wir erkannten, daß ein Wagen die Brücke passieren werde, rannten wir unter dieselbe.
Es war im Frühsommer des Jahres 1895. Ich vergnügte mich mit einem Kameraden, dessen Name mir nicht mehr in Erinnerung ist, beim Fischen auf Grundel gegenüber dem Gasthaus Vogl am linken Ufer der Tepl oberhalb des einstigen Wehres. Die Steine hoben wir auf und ergriffen die langsamen, bebarteten Burschen. Jeder Bub, der das Fischen richtig erlernen wollte, fing mit Grundeln an. Wir waren in unsere Arbeit so vertieft, daß wir zwei schwere Kohlenfuhrwerke aus der Richtung Karlsbad übersahen. Diese waren schon oben auf der Straße mit uns auf gleicher Höhe. Wir zwei ärgerten uns darüber, sahen uns fragend an, ob wir den Wettlauf unter die Brücke noch gewinnen könnten. Jeder merkte die Verneinung im Gesichtsausdruck des andern. Also blieben wir stehen. Doch auf einmal sahen wir etwas Schreckliches. Als die Fuhrwerke auf der Brücke waren, sank diese langsam ins Teplbett hinunter, krachend und platschend auf das Wasser. Jetzt erkannte ich, daß wir in göttlicher Obhut des Schutzengels gestanden waren. Die Fuhrleute waren wenig schlau in kurzem Abstand hintereinander gefahren und so mußten beide in die Tepl mit Roß und Wagen. Das Mittelstück hatte die doppelte Belastung nicht ausgehalten. Die Brücke war erst 1891 nach dem Hochwasser erbaut worden. Ein Fuhrmann war an der Hand und zwei Pferde an der Kruppe verletzt. Meine Mutter leistete die erste Hilfe durch Anlegen von Notverbänden. Wir zwei einzigen Zeugen dieses schrecklichen Ereignisses wurden nicht beachtet.
Das Unglück hatte nach kurzer Zeit viele Schaulustige angezogen. Die Buben fanden im allgemeinen Rummel das passende Spiel. Sie gingen „ins und aufs Wasser", bauten Flöße, fischten die großen Balken heraus und setzten sich darauf. Jeder Tag brachte für die Buben etwas Neues. Hinter unserer Scheune war für Wochen der abwechslungsreichste Tummelplatz der lieben Jugend. Der Neuaufbau der Brücke war dringend. In den nächsten Tagen fällten die Holzhauer im
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