Aus der Töppeleser Ortskartei
Nachruf. Am 28. Dezember 1962 ist nach kurzem Leiden Herr Franz Neuerer im Glauben an seinen Erlöser im 68. Lebensjahr plötzlich verschieden. Der Verstorbene, als jüngstes von fünf Kindern, war gelernter Koch. 1913 ging seine dreijährige Lehrzeit zu Ende. Er fiel damals durch sein sicheres Auftreten und sein gefälliges Wesen nach typisch Wiener Art in der Gesellschaft der Freunde seines Vaters angenehm auf. Sein Vater war der Baupolier Josef Neuerer (Erbauer der Töppeleser Schule und der Stirner Brücke). Die Karlsbader Sonntagsjäger mit Anhang unterhielten sich im Restaurant gern mit dem intelligenten und gutaussehenden jungen Mann. Er war für sie ein gerade von der Hochschule kommender, junger Doktor. Nun folgten jene drei geflügelten Worte des alten Neuerers: „Sa könnt ers". Für die Karlsbader kein „Ja" und auch kein „Nein", sie blieben vorsichtshalber beim Namen „Doktor". Die hellhörigen Töppeleser wußten es besser; damit konnte der Vater nur an das hohe Lehrgeld gedacht haben. Seit dieser Zeit, also seit 50 Jahren, hieß er nicht mehr Franz, sondern für alle schlicht und einfach „der Doktor", selbst für die Briefträger.
Unser Doktor war ab 1915 Teilnehmer des ersten Weltkrieges und ab 1919 in Melchers Steinbruch beschäftigt. 1924 entdeckte ein Prager Küchenchef unter den Papieren beim Amt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenfürsorge in Marienbad die erstklassigen Wiener Zeugnisse unseres Doktors. Er war nur vier Wochen von Töppeles abwesend, länger hielt er es nicht aus, er mußte wieder heim ins Revier. Von seiner krankhaften Jagdleidenschaft (erbliche Belastung) war unser Doktor einfach nicht mehr zu heilen. Alle beruflichen Angebote mit doppeltem und dreifachem Gehalt schlug er aus. Der Schreiber dieser Zeilen konnte damals nur erreichen, daß der unbescholtene Doktor vor einer empfindlichen Strafe wegen mutwilligen Verlassens seines Arbeitsplatzes während der Hochsaison (Fasching 1924) bewahrt blieb.
Die Nachbarreviere mit ihren Aufsehern Heger Hahn, Ziegelhütten, und Heger Schuster, Leimgruben, wußten von dieser unheilbaren Krankheit und drückten ein Auge zu. Die Töppeleser Jagdpächter Janker, Ernst Frisch und Wurtinger drückten oft und oft beide Augen zu. Wäre dem Verstorbenen seine ihm 1946 in Marienbad angetraute Gattin und jetzige Witwe, Frau Anna, geb. Kriegelstein (1902 in Wien geboren), schon 22 Jahre vorher zur Seite gestanden, der Lebenslauf des Doktors hätte sich anders gestaltet. Er hätte mit verdientem Geld eine eigene Jagd mit Fischteich haben können, wobei ihm viele Entbehrungen und Verfolgungen erspart geblieben wären. Seit den dreißiger Krisenjahren wich er nicht mehr von der Seite des Kuhlafried, der ihm Arbeit und Brot verschaffte, so daß er jeden Sonntag im Revier sein konnte.
Von den Neuerer Buben war unser Doktor der bravste und fleißigste, immer bescheiden und hilfsbereit, mit viel Herz und Gemüt. Es gäbe viele Anekdoten von ihm zu erzählen. Einige brachte ich bereits in meinen Töppeleser Jagdgeschichten, die anderen werden zur gegebenen Zeit im Töppeleser Gedenkbuch zu lesen sein. Unser Doktor ist jetzt in die große Heimat hinübergewechselt, wo es keine Reviergrenzen mehr gibt. Der Herrgott schenke ihm Ruhe und Frieden. Seiner Gattin, Frau Anna Neuerer, und seiner Schwester, Frau Anna Holzinger, gilt unser aufrichtiges Beileid.
Bei der Durchsicht unserer Erhebungsbogen fiel mir auf, daß von einer Landsmännin vier Vertriebenenblätter im Abonnement gelesen und auch vier Egerländer Kalender in Empfang genommen und bezahlt werden. Nun, meine
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