76 JAHRE
Die Sechsundsiebzig sind bei mir zu Ende.
Rückschauend eine ziemlich lange Zeit.
Wenn ich die Jahresblätter lesend wende
Find ich darin viel Gram und wenig Freud.
Vom ersten Tag an meines Erdenwallen
War nur die Armut treue Freundin mir,
Auch heute noch hat sie an mir Gefallen
Und bleibt an meiner Seite für und für.
Was ehrabschneidend Lästerzungen sprechen
Das läßt mich kalt, ich scher mich nicht darum.
Boshaftigkeit kann Mannesstolz nicht brechen,
Verleumder sind charakterlos und dumm.
Kein Ungemach konnt jemals mir verwehren
Den Flug ins Wunderreich der Phantasie,
Zu wandeln in der Musen lichten Sphären
Und huldigen der Göttin Poesie.
Die Musen haben vieles mir gegeben
Gedichte, an zweihundert nenn ich mein,
Und wär mein Dasein kein verpfuschtes Leben
So würden es wahrscheinlich noch mehr sein.
Viel lange Jahre suchte ich vergebens
Bevor ich fand den Weg ins Musenhaus,
Nun fülle ich den Abend meines Lebens
Mit Winden bunter Liederkränze aus.
Schloßbauer
Des Poeten Dank
Allen lieben Heimatfreunden
Drück ich fest die Hand,
Die zu meinem Wiegenfeste
Grüße mir gesandt.
Dankbar will ich mich erweisen
Fleißig weiterhin,
Heimatlich, Gedichte schreiben,
Ganz nach eurem Sinn.
So lang ich auf Erden weile
Halt ich es als Pflicht,
An den Heimatbrief zu senden
Für euch manch Gedicht.
Schloßbauer
Das heutige Titelbild zeigt die Leßnitzer Mouhm Heß (Gattin von Rudolf Heß, Nob) an ihrem Spinnrad, das sie aus der Heimat mitbrachte und mit dem sie nach der Vertreibung durch fleißiges Spinnen dazu beitrug, die Not zu überwinden und eine neue Lebensgrundlage zu schaffen. — Ein Hauch der guten, alten Zeit der Rockenstuben in unserer Heimat weht uns aus dem Beitrag „Das alte Spinnrad" (Seite 6—7) entgegen.
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