Erinnerungen an unsere Schulzeit
Von Annl Zimmerhackl, geborene Veit
Wenn ich mir das nebenstehende Bild betrachte, denke ich gerne an unsere gemeinsame Schulzeit in unserer alten Heimat zurück. Die Jahre ziehen im Geiste wie ein Film an mir vorüber. Ich erinnere mich noch an unsere Einschulung in der Mädchenschule. Die ersten Tage gingen bei einigen Mitschülerinnen nicht ohne Heulen ab; manche wollten einfach nicht dableiben und wurden jeden Tag von der Mutter hingebracht. Aber das dauerte nur kurze Zeit, bis sich alle an den geregelten Schulbesuch gewöhnt hatten. Selbstverständlich gab es zum ersten Schultag für die Mädchen auch eine neue Schürze, ohne die man sich damals ein Schulkind nicht denken konnte. Heute würde man ja darüber lachen. Fräulein Löschner, verehelichte Bretfeld, die leider auch nicht mehr unter den Lebenden weilt, verstand es in ihrer Art ganz ausgezeichnet, mit uns ABC-Schützen umzugehen und uns auf ihre spielende Weise die ersten Grundbegriffe vom Lesen und Schreiben beizubringen. Damals machte man die ersten Schreibversuche nur auf der Schiefertafel; ging mal etwas daneben, konnte es schnell wieder ausgelöscht werden. Hier beginnen die ABC-Schützen gleich in die Hefte zu schreiben, ausgenommen auf einigen Dörfern, und ist auch die Methode anders als seinerzeit bei uns. Es wird nach dem sogenannten „Ganzheitssystem" unterrichtet. Die Kinder schreiben gleich am ersten Tag ganze Wörter, die sie vorläufig noch nicht lesen können. Ob diese Art des Lernens besser ist als die zu unserer Zeit, bleibt dem Urteil der Fachleute bzw. Pädagogen überlassen.
In den späteren Jahren unserer Schulzeit bekamen wir als Unterrichtende die von uns verehrten Lehrerinnen Fräulein Erna Müller (die uns allen durch ihre wirklich treffenden Abhandlungen im HB bekannt ist), Fräulein Schachtner, Fräulein Glasauer und für Handarbeit Fräulein Schindler. Mit dem Ende des ersten Bürgerschuljahres kam für uns eine große Umstellung. Als Nachkriegsjahrgang waren wir zu schwach und wurden mit den Knaben des gleichen Jahrganges zusammengelegt. Die letzten zwei Jahre unserer Schulzeit besuchten wir also die Knabenschule. Das war natürlich für uns alle etwas Neues. Hier ist dies eine Selbstverständlichkeit, daß Mädchen und Knaben zusammen unterrichtet werden, sogar im Turnen. Ich muß da manchmal im Stillen über unseren Jungen lachen, wenn er sich mit seinen Freunden (zehnjährige) über die Turnstunde unterhält. Sie sprechen über diese und jene Mitschülerin, die z. B. wegen ihrer Dicke nicht so recht an den Geräten mitmachen kann. Einige sind bereits ganz schön entwickelt und den Jungen fällt das auch schon auf. Dies nur nebenbei, um nicht vom Thema abzukommen.
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