Gfell und die Studenten
Von Heinrich Heß, Gfell-Diendorf
Stets wenn die Ferien begannen, erlebte Gfell eine Invasion der Studenten aus den Mittelschulstädten Elbogen und Karlsbad. Diese jungen Leute erbaten sich am Abend ein Nachtlager im Heupansen, kochten im Backofen am offenen Feuer ihr Nachtessen, gaben in den Gaststätten Einakter zum besten und fielen den Ortsbewohnern in keiner Weise lästig. Wer sie am Morgen zähneklappernd Toilette machen sah und den Glauben hegte, daß sie es nun bald satt haben würden, der irrte sich gewaltig. Die Studenten kamen immer wieder.
Der Stefflhof war einst Schauplatz einer Freilichtaufführung, die als Motiv einen Abschnitt aus dem Bauernkrieg zeigte. Ein Bauer mit 16 Kindern stritt sich mit einem adeligen Fronvogt um den Zehent, klagte dem Hartherzigen seine Not und drohte mit bewaffneter Selbsthilfe im Bundschuh (Bauernheer). Der Teichsdamm gab eine wunderbare Loge für die Zuschauer ab. Kohlmüllers Peint erlebte sogar ein Wandervogelfest, bei dem 300 Studenten ihr Können im turnerischen Wettkampf und Gesang demonstrierten.
Das gute Einvernehmen zwischen Bauer und Student hielt an, bis eine schlagende Verbindung älteren Semesters ein Lokal für ihre Fechtrequisiten suchte und dieses bei Gastwirt Jeßl fand. Schlagende Verbindungen waren in der Tschechoslowakei verboten und konnten nur völlig geheim am Leben erhalten werden. An einem Abend unterhielten sich Bauern und Studenten in der Gaststube. Ein Naseweis beleidigte die Bauern mit der Behauptung, daß es mit den Sorgen und Mühen des Landwirtes nicht viel auf sich hätte, nachdem doch die Ernte von selbst wächst und der Pflug von den Zugtieren gezogen wird. Gegen soviel bornierte Schulweisheit hatten die Gfeller nichts zu erwidern; doch das Mißtrauen war da. Herr Jeßl kündigte auf Grund dieses Vorfalls sein Abkommen mit den Studenten.
Unabhängig davon gab es jedoch zuvor mit den Waffen der Verbindung einen Zweikampf zwischen zwei Ortsbewohnern. Das kam so: Beim Dämmerschoppen prahlte der Schmied, daß er fechten kann. Nachdem er von Angeberei nicht ganz frei war, wurde er zur Beweisführung vom Bittner Luis zum Duell herausgefordert. Herrn Jeßl setzte man so lange unter Druck, bis er die Säbel der Studenten herausgab. Und schon schlug der Luis auf den Schmied ein, daß die Funken sprühten. Ob er stach, Quart täuschte und Terz hieb, der Schmied parierte und war nicht aus der Fassung zu bringen. Es stellte sich heraus, daß dieser Schlauberger als junger Kavallerist das Säbelfechten gelernt hatte und sich diese Kunst bis ins hohe Alter bewahren konnte.
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