Abschiedsparty am Schödlhof
Von Annl Zimmerhackl, geborene Veit
In Zeitungen und Reklamen liest man jetzt soviel von „Partys", die da und dort veranstaltet werden. Dieser Tage blätterte ich wieder einmal in alten Heimatbriefen, dabei fiel mir ein Bild des Schödlhofes in die Hände, das mich an unsere „Abschiedsparty" erinnerte, die wir in diesem Gebäude in der schweren Zeit der Tschechenherrschaft im Spätsommer des Jahres 1946 still und heimlich veranstaltet haben. Die Teilnehmer werden sich alle noch gut daran erinnern.
Die verstorbene Frau Wenzl war so liebenswürdig und stellte uns in ihrem Haus einen großen Raum als Tanzsaal zur Verfügung. Wir waren etwa acht bis neun junge Leute; die Kinder der Gastgeberin selbst, die Dietrichkinder und noch einige. Bei einbrechender Dunkelheit schlichen wir uns einzeln und auf Umwegen nach dem Schödlhof, da die Deutschen doch zu dieser Zeit ab acht Uhr abends Ausgehverbot hatten. Es ging alles gut. Wir wurden von Frau Wenzl und Tochter bereits erwartet und in unser „Gesellschaftszimmer" geführt, wo schon alles auf das beste vorbereitet war. Auf Einzelheiten will ich nicht näher eingehen. Die Fenster waren fest verdunkelt, so daß kein Lichtstrahl nach draußen dringen konnte. Bei der etwas abgelegenen Lage des Schödlhofes war diese Feier möglich, denn in der Stadt selbst, etwa im Dietrich Gasthaus, wäre eine solche Veranstaltung in diesem Ausmaß zu riskant gewesen. Wir hatten ein Grammophon und vergnügten uns durch Tanz, Gesang und Spiele aller Art. Wir verlebten so völlig ungezwungen noch einmal ein paar gesellige Stunden, wobei gerade das Heimliche die Sache so interessant machte.
Bevor der Morgen graute, schlichen wir uns wieder dem Städtchen zu. Ich muß noch heute lachen, wenn ich daran denke. Einige von uns konnten tschechisch, und sobald sich irgendwo etwas rührte, sprachen wir ein paar Worte tschechisch vor uns hin, um uns zu tarnen. Da ich zur damaligen Zeit bei meiner Tante (Frau Hahn) am Marktplatz wohnte, habe ich mich nicht getraut, zu so später Stunde über den Marktplatz an der Gendarmerie vorbeizugehen. Frau Ditrich, die für uns immer Verständnis und offene Türen hatte, beherbergte mich in ihrem Schlafzimmer, bis ich am Morgen unbehelligt heimgehen konnte.
Das war unsere Abschiedsparty, denn bald darauf wurden die Beteiligten durch die Vertreibung in alle Winde verweht. Frau Wenzl und die liebe Dietrich Annl weilen nicht mehr unter uns, auch der Schödlhof steht nicht mehr. Aber die Erinnerung daran ist uns geblieben.
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