Die ehemals freie Bergstadt Schlaggenwald
Von Universitäts-Professor Dr. R. Schreiber, Gießen
Das Egerland deckte sich im großen ganzen mit dem Regierungsbezirk Karlsbad-Eger; es umfaßte 7466 Quadratkilometer mit etwas mehr als 800 000 Einwohnern, welche die sehr zwielautreiche Sprache des egerländer Dialektes sprachen. Das „Egerland" im weiteren Umfang umfaßte eigentlich nur 5000 Quadratkilometer mit zirka 700 000 Einwohnern; es wird, von Süden beginnend, vom nördlichen Teil des Böhmerwaldes begrenzt, der bei der Further Senke beginnt und bis in das Egerer Becken hineinreicht. Daran schließt sich das Fichtelgebirge, in dem, auf bayerischem Boden, die Eger entspringt. Dieser Fluß gab dem ganzen Gebiet und der Hauptstadt des Egerlandes, der Stadt Eger, den Namen. Das Wort „Eger" ist keltischen Ursprunges, es deutet damit bereits an, daß dieses Gebiet uraltes Kulturland darstellt. Es folgt das Elstergebirge und dann beginnt das Erzgebirge, das sich in seiner vollen Länge bis gegen Bodenbach-Tetschen hinzieht. Jener Teil des Erzgebirges, der noch zum weiteren Egerland gehört, reicht etwa bis Schmiedeberg-Kupferberg. Schon der Name „Erzgebirge" besagt, daß hier früher und zum Teil auch heute noch auf verschiedene Erze geschürft wurde und wird. Südwestlich von Karlsbad bildet das Duppauer Gebirge die Grenze des Egerlandes, und noch weiter südwestlich beginnt der Kaiserwald, der in geologischer Beziehung den südlichen Gegenflügel des Erzgebirges darstellt. An den Kaiserwald schließt sich dann das Tepler Hochland an. Das Egerland ist also ganz von Mittelgebirgen umgeben.
In diesem Gebiet lebte bis zur sogenannten „humanen" Vertreibung ein Volksstamm mit einem selbstbewußten Bauerntum. Hier herrschte in den Egerländer Vierkantdörfern mit den buntgemalten Giebeln und den sehr ornamentreichen Sonnentoren der reich gegliederte fränkische Fachwerkbau, der dem Egerländer Bauerndorf ein besonders charakteristisches Gepräge verlieh. Im Egerland betrieb man aber nicht nur Landwirtschaft, vielmehr spielte hier durch die reichen und wertvollen Bodenschätze auch der Bergbau eine wichtige Rolle. Hinzu kamen dann noch verschiedene Industrien, deren Entwicklung durch die im sogenannten „Egergraben" geförderte Braunkohle sehr begünstigt wurde.
Das Egerland ist geologisch wohl das interessanteste Gebiet des Sudetenlandes. Unter den Bergstädten dieses Gebietes spielte die kleine, ehemals freie Bergstadt Schlaggenwald besonders im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit nicht nur eine bedeutende wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Rolle. Schlaggenwald liegt
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