Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 84
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Pohled z kostelní věže

Blick vom Kirchturm

Das heutige Titelbild zeigt uns vom Kirchturm aus einen Blick auf unsere Heimatstadt Schlaggenwald. Wir sehen im Vordergrund die Häuser der Kirchstaffel, ganz rechts noch einige Gebäude vom Alten Markt, dann das Haus vom Reif Konditor, die Mädchenschule, das Keylwert- und das Schmid-Haus (Müller). Wir erkennen das Rathaus und die daran anschließenden Gebäude bis zum Ochsen-Hotel. Von der Neustadt grüßt der Turm der St.-Anna-Kirche. Wir sehen, wie die Häuser im Talkessel zusammengedrängt und ineinander verschachtelt sind. Zum Teil tragen sie noch Pappdächer, zum Teil sind sie schon modernisiert. Doch alle Gebäude befinden sich in gutem Zustand. Hinter der Häuserfront des Marktplatzes und der Neustadt dehnt sich der Höhenrücken des Galgenberges. Wir entdecken die Neue Straße und den „Blail-Stodl". Es ist ein Vorfrühlingsbild. Die Bäume sind noch nicht belaubt und die Strahlen der Nachmittagssonne fallen noch arg schräg auf dieses alte und liebliche Städtchen, das heute in seinen Häuserreihen schon viele, viele Lücken aufweist.

Útěk Němců z Prahy – slovo na závěr

Die Flucht der Deutschen aus Prag

Ein Nachwort des Herausgebers

Der unter dem obigen Titel erschienene Erlebnisbericht von Ldm. Franz Blumthaler wurde von vielen Landsleuten mit großem Interesse gelesen. Nur ein anonymer Landsmann hatte sich darüber beschwert. Mit den nachstehenden Ausführungen gebe ich diesem Anonymus die entsprechende Antwort. Bei dem erwähnten Bericht ging es Ldm. Blumthaler nicht darum, seine Person hervorzuheben, sondern um zu zeigen, wie sich der Zusammenbruch 1945 für die Prager Deutschen auswirkte und unter welchen Schwierigkeiten einem Schlaggenwalder die Flucht aus Prag gelang. Für Ldm. Blumthaler war damit der Leidensweg nicht zu Ende.

Von Schlaggenwald brach er Mitte Juni 1945 wieder auf, um seine Frau zu suchen. Er fand sie in Graslitz, wo beide blieben und auch polizeilich gemeldet waren. Ende November 1945 zogen die Amerikaner aus Graslitz ab. Gleich darauf wurde Ldm. Blumthaler neben vielen anderen Prager Deutschen, die sich ebenfalls in Graslitz aufhielten, vom „Henker von Graslitz" — einem Deutschen — verhaftet und der tschechischen Gendarmerie übergeben. Obwohl Ldm. Blumthaler keinem Tschechen ein Haar gekrümmt und sich auch politisch nicht betätigt hatte, blieb er inhaftiert. Er kam in das Lager Rothau 1 und Rothau 2, dann in das berüchtigte Lager Heinrichsgrün und von dort nach Pancraz, wo er bis 1948 festgehalten wurde und alle Qualen der tschechischen Kerkerschaft ertragen mußte. Während seiner Haft ist seine Gattin, die als Vertriebene nach Hessen kam, aus Gram gestorben. Nach der Haftentlassung konnte Ldm. Blumthaler nur noch an das Grab seiner Frau treten.

Dies alles gab Ldm. Blumthaler die Legitimation, über die Flucht der Deutschen aus Prag zu schreiben. Dieser Bericht hat uns jene grauenvolle Zeit wieder in Erinnerung gerufen, in der von den Tschechen viele unserer Landsleute unschuldig eingekerkert, zu Krüppeln geschlagen und Tode gefoltert wurden. Wir gedenken dabei vor allem der Opfer aus unserem Schlaggenwalder Kirchsprengel.

Marterer

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