Wir sollten unsere „armen Größen" nicht vergessen
Der berühmteste unter allen war sicher der Schulzi-Dackl, der mit seinem richtigen Namen Josef Schulz hieß, welcher um das Jahr 1900 als zuständig nach Schlaggenwald kam.
Obzwar er Porzellanmaler gelernt hatte, arbeitete er nichts, trank gerne einen Schnaps und hatte seine Unterkunft im sogenannten „Sechshäusl" gefunden. Schon damals hatte er mit dem Schwalmtroitscher (Krautzberger) die Ascheabfuhr aus der Stadt mit einem Handwagen besorgt. Sogar den Schulzi-Dackl-Pfiff hatten ihm die Buben aufgebracht. Er wurde, wo er ging und war, von alt oder jung verspottet; ich meine sogar oftmals von der hohen Ortspolizei. Mit dem Pfiff „Schulzi-Dackl" wurde sein Name für alle Schlaggenwalder unsterblich, ja es war dies einfach der Feldruf für alle. Versucht es doch heute einmal damit. Dieser Pfiff genügt und ganz bestimmt wäre das landsmannschaftliche Treffen hergestellt. — Schulz ist im Jahre 1912 gestorben.
Wohl unvergeßlich in der neueren Zeit ist uns, ganz besonders aber den damaligen Buben, der Füßl-Gustl. Er stammte aus gut bürgerlichem Hause, war jedoch nicht gerade gewachsen (Mißgeburt). Da er keine Eltern mehr hatte, verfiel er allmählich der Armut und war im sogenannten Bürgerhospital untergebracht. Sein allerliebstes Getränk war das Bier. Da er sich dies aber nicht leisten konnte, ging er montags jeweils in die Gasthäuser und Trank sein „Tropf-Bier". Davon trug er natürlich so manchen Rausch heim und wurde dann am Wege von den Buben mit den Rufen „Bul — Bul" verspottet.
Zu seiner Verteidigung kam er des öfteren aufs Rathaus zum Bürgermeister und beschwerte sich darüber. Als er dort dann einige Kronen erhielt, gings sofort wieder ins nächste Gasthaus. Dabei konnte jetzt „Bul — Bul" rufen wer nur wollte, die Hauptsache war, daß er Geld für Bier hatte. — Der Füßl-Gustl ist in Wiesengrund (Dobschan) verstorben.
Es gab in unserer Heimat noch mehrere solcher unvergeßlicher Adressen, nur einige möchte ich davon anführen:
Die älteren Landsleute kannten ja alle den Krautzberger-Karl, wenn er vor der Musikkapelle marschierte und mit seinem Spazierstock den Musikführer nachahmte, oder die beiden Haberer-Buben Hans und Fritz, wenn sie auf ihrem Holzsägebock das Holz sägten. Unvergeßlich bleibt das Bild, wenn diese beiden mit dem Leierkasten von Gasthaus zu Gasthaus zogen und das Geld einsammelten. Spielten sie beim Dietrich oder sonstwo das damals beliebte „Bienenhaus", so wußten sie genau, daß sie im Gasthaus „Stadt Wien" das „Arbeiter-Lied" aufstecken sollten. Beim Einsammeln ging der Fritz meist mit einem Porzellan-Untersatz herum, in den jeder seinen Kreuzer hineinwarf. Tat einer so als schliefe er, dann klopfte ihm der Fritz mit dem Untersatz auf den Kopf und sagte „ei(n)doln". — Über die Winterzeit malten sie dann beide Krippenfiguren.
Ein weiteres Original war der Kirwalöisch Josef Schöberl.
Es galt als ein Ereignis, wenn er um eine „Halbe Bier" wieder einmal die Eisenbahn markierte.
Aber auch der Wandura-Rudl, der mit in der Ascheabfuhr tätig war, dürfte den Leuten noch gut in Erinnerung sein. Als einmal im tschechischen Staat zur Rattenvertilgung eine Ausgabe in Form von Lebzelten verabreicht wurde, die man ausschließlich in in die Ascheablagen geworfen hatte, sammelte der Rudl die Lebzelten beim Abfahren auf und verzehrte sie. Das schadete dem Wandura-Rudl gar nicht, aber die Ratten sollten damit vertilgt werden.
Der bekannte Hahndeckl war ein arbeitsscheuer Schlendrian. Der Stadtrat kaufte für ihn einen Leierkasten, mit dem er von Haus zu Haus ziehen und seinen Lebensunterhalt verdienen sollte. Als man ihn dazu aufforderte, sagte er:
„Jå, meine Herrn, des war gånz schöin u gout, ower wer trächt'n dian?"
Anton Hofmann
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
