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beantworten von Fragen. Aber recht bald lernte ich auch das chilenische Volk und dessen Sitten kennen. Dieses Land Chile ist ein ungewöhnlich — fast bizarres Land — aber schönes Land. Hohe schneebedeckte bis an den Himmel reichend scheinende Berge und undurchdringlicher Urwald kennzeichnen die Landschaften. Die Chilenen selbst sind ein gutmütiges freundliches Volk. Nun aber wieder zurück zu meinen Pflegekindern.
Da stand ich nun mit zwei fremden jungen Männern im Hausgang. Mein Mann öffnete die Flurtür. Sofort glitt ein leichtes Schmunzeln über sein Gesicht. Er hatte sofort erkannt, daß ich wieder jemand ins Hans bringe. Es hatte auch gar nicht viel des Erklärens bedurft. Nachdem er mit den Jungens die Fahrräder und deren Gepäck im Kellerraum untergebracht hatte, setzten wir uns im Eßzimmer zusammen. Ich selbst bereitete schnell noch einen Imbiß, denn junge Leute haben ja immer Appetit, und dann ging es ans Erzählen. Uns war das Sudetenland nicht unbekannt. Leider sind wir damals nicht weiter in das Land hineingereist. An diesem Abend haben wir noch eine ganz schöne Weile zusammengesessen, denn wir wollten doch wissen, woher und wohin nun die Reise weitergehen sollte. Aus der vorgesehenen Übernachtung wurden dann viele Wochen. Wenn es nicht den Winter zugegangen wäre, dann würden wir die Jungen noch zurückbehalten haben, als diese dann doch zum Aufbruch rüsteten. Mein Mann und ich ließen es an keiner Gelegenheit fehlen, ihnen die Stadt Potsdam mit Umgebung zu zeigen. Theaterveranstaltungen wurden besucht. Auch wir haben einen Teil Freude mit ihnen erlebt. Auf dem Heimweg empfahl ich ihnen, bei meiner Schwester im Erzgebirge Halt zu machen. Ich hatte sie bereits verständigt, daß zwei junge Burschen bei ihr einkehren werden. Auch dort fanden sie im Arzthaus recht gute Aufnahme, was viele Dankesworte später bewiesen.
In den darauffolgenden Jahren unterhielten wir mit Richard — so hieß der eine Junge und Johann der andere — einen regen Briefwechsel. So bald es ihm immer möglich war, kam er uns besuchen und da blieb er auch viele Wochen. Meine Kinder hielten ihn für einen Bruder und mein Mann und ich für unseren Sohn. Immer war er in Potsdam oder bei meiner Schwester mit Freuden aufgenommen.
Da endlich waren die trennenden Schranken der Grenzpfähle gefallen. Mit meiner Schwester verabredeten wir uns, gemeinsam die Heimat von Richard zu bewandern. In den Schulferien 1939 zogen wir los. Meine Schwester mit zwei Kindern und ich mit der Tochter. Über Gottesgab nach St. Joachimstal nach Karlsbad ging die Fahrt. In Karlsbad mußten wir eine längere Zeit auf den Anschlußautobus nach Schlaggenwald warten. Nun was taten wir? Eine Konditorei hatte es uns angetan. Ich weiß noch heute, daß wir Kaffee mit Schlagsahne bestellten. Aber welch ein Schreck. Der hohe Berg von Sahne war uns ungeheuerlich. Nun, es hatte sich dann auch später gezeigt, denn die Wirkung war recht spürbar. Es war nur von Vorteil, daß viele Häuschen mit dem bekannten Herzchen überall zu finden waren, in denen wir die genossenen Leckereien wieder losgeworden sind. Auf einmal standen wir am Marktplatz in Schlaggenwald. Dort hatte uns der Autobus abgesetzt. Es war ein sonniger später Nachmittag. Der Heuduft lag über dem Ort. Unser Wiedersehen war unbeschreiblich herzlich. Die Freude auf beiden Seiten konnte nicht herzlicher ausfallen. Richard — der inzwischen seine Otti
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