Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 132 (květen 1973)
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Z kulturního života vysídlenců – výstava pokladů z krajanských muzejních světniček

Aus dem kulturellen Leben der Vertriebenen

Seit einigen Monaten ist im Münchner Haus des Deutschen Ostens die Ausstellung KOSTBARKEITEN AUS SUDETENDEUTSCHEN HEIMATSTUBEN UND MUSEEN zu besichtigen. Die Ausstellung wurde von einer erfreulich großen Zahl von Interessenten besucht, die über diesen repräsentativen Querschnitt aus dem Bestand von 80 solcher Heimatstuben meist wohl erstmalig eine Vorstellung mit heimnehmen, was mit diesen Erinnerungsstuben bezweckt wird. Meist handelt es sich bei den Exponaten um Gegenstände, die von den Ausgewiesenen unter Verzicht auf anderes, lebensnotwendiges Flüchtlingsgepäck mitgenommen wurden. Es sind Kostbarkeiten im objektiven wie subjektiven Sinne des Wortes.

Die Einwirkung von 2 000 000 Sudetendeutschen in der Bundesrepublik mit ihrem Hintergrund von folkloristisch ergiebigen Kleinlandschaften und starker Industrialisierung namentlich beim Aufbau neuer Wirtschaftszentren verdiente eine gesonderte Untersuchung. Wie fruchtbar sich aber auch die kulturelle Arbeit der Vereine und Gemeinschaften erwies, zeigen die Sammlungen, die vom Sudetendeutschen Archiv betreut werden. Mehr als die anderen ostdeutschen Stämme haben es die Sudetendeutschen verstanden, aus privaten Spenden ansehnliche Bestände von Originaldokumenten und dinglichem Kulturgut zusammenzutragen, um es für die Nachwelt zu erhalten.

Die Ausstellung beschränkt sich auf museale Gegenstände und Archivmaterial unter Ausschluß von eigentlichen Kunstwerken, Bildern, Plastiken, Büchern, aber auch Fotosammlungen. Die 334 Exponate sind thematisch gegliedert nach musealen Gegenständen und Dokumenten. Zu letzteren gehören Meisterbriefe aus den zurückliegenden Jahrhunderten, Theaterzettel, Einladungen zu Veranstaltungen, aber auch Briefe, Wanderbücher, Heiratsgenehmigungen, Robot- und Arbeitsbücher zeigen eindrucksvoll das soziale Leben und den Alltag der Vorfahren auf.

Einen breiten Raum nimmt die politische Dokumentation ein. Sie zeigt Maueranschläge aus dem 19. Jahrhundert, Petitionen der Bürgermeister aus Südböhmen an die Pariser Friedenskonferenz 1919. Auch der Aufruf des letzten deutschen Bürgermeisters von Göding an die Bevölkerung vom November 1918 spricht eine beredte Sprache. Auch der von Wenzel Jaksch, dem damaligen Vorsitzenden der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei vor der Unterzeichnung des Münchner Abkommens erlassene Aufruf ist in einer Vitrine ausgestellt, ebenso wie der Briefwechsel zwischen T. G. Masaryk und dem deutschen Senator Franz Krepek nach der Aufregung, den Masaryks unbesonnener Ausspruch nach seiner Rückkehr aus der Emigration zur Folge hatte, als er die Deutschen als Einwanderer und Kolonisten bezeichnete, was sie als Aberkennung ihres Heimatrechts auffaßten. In dem Handschreiben an den ihm befreundeten, langjährigen Abgeordneten der deutsch-böhmischen Landwirte versichert Masaryk, wie sehr ihm an einem gerechten Ausgleich mit den Sudetendeutschen gelegen sei.

In Glasvitrinen stehen Prunkstücke böhmischen Kunsthandwerks; Zierdosen aus Porzellan, Beingläser mit Emaillemalerei aus der Zeit von 1800, Glasgefäße in Klar- und Mattschliff, Rubingläser, alte Zinnkrüge und -teller aus dem Egerland. Auch die Schmuckindustrie von Gablonz und der Instrumentenbau des Erzgebirges sind mit Schaustücken vertreten. Beide Industriezweige produzieren bekanntlich weiter zum Vorteil unseres Exports.

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