## Nationalität im Wandel der Zeit
Mein Großvater ist in Alt-Österreich geboren
und hat auf Kaiser Franz Josef geschworen.
Mein Vater tat es jenem gleich,
doch „Achtzehn" war's aus mit Österreich.
Da etabliert sich ein neuer Staat,
der auch meinen Vater vereinnahmt hat.
Er wurde – wer fragte, ob's recht ihm sei –
ein Bürger der Tschechoslowakei.
Die Zeit verging. Doch nach zwanzig Jahren
hat er die nächste Wandlung erfahren:
Kraft Gesetz erhielt er nun sogleich
die Staatsbürgerschaft im Großdeutschen Reich.
Da war ich natürlich auch schon dabei.
Doch nur ein paar Jahre blieben uns zwei' –
da kam mit Schrecken des Reiches Ende,
mit ihm erneut eine Zeitenwende.
Man hat uns vertrieben aus unserem Land,
uns die Heimat genommen, in die Fremde verbannt.
Nach kurzer Zeit von nur vier Jahren
hat man den nächsten Wechsel erfahren.
Durch Deutschland ging eine Grenze quer
und trennte den Westen von der DDR.
Nach vierzig Jahren, die uns Deutsche trennte,
fiel endlich die Mauer, es kam die Wende.
Wir fanden zusammen, vereint im Glück,
zur gemeinsamen Bundesrepublik.
Da bin ich noch heut', werd' bis zum Ende es bleiben.
Als Fazit möchte ich noch schreiben:
Die Staaten kommen, die Staaten gehen,
doch eines, das weiß ich, wird immer bestehen,
was Großvater, Vater und Sohn stets verband:
die Liebe zur Heimat Sudetenland!
## Zitat
„Mein Vater sagte immer: ‚Was soll ich mich jetzt um das Haus streiten; die Tschechen haben doch länger darin gewohnt als ich jemals.' Die Vertreibung bleibt natürlich Unrecht, aber um es aufzuheben, kann man doch kein zweites begehen. Die Vertriebenen haben sich lange schon etwas Neues aufgebaut. Auch die Benesch-Dekrete sind Unrecht und müssen weg. Aber ich komme nicht weiter, wenn ich immer nur dieses Thema anspreche."
Franz Pany, Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, in einem Interview der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten" auf die Frage, wie er zu Rückgabeforderungen und den Benesch-Dekreten stehe.
(Aus „Karlsbader Zeitung", Folge 12, Dezember 1913; dazu kein Kommentar!)
## Bürgerhäuser prägten einst das Stadtbild
Imposantes Wohn- und Geschäftsgebäude in Schlaggenwald am Beginn der Hauptstraße, Hs-Nr. 223, Eigentümer: Josef Emil und Wilhelmine Schmid, kurz „Schmid-Kaufmann" genannt. Im Geschäft waren Kolonialwaren, Wolle und Textilien erhältlich. Es gab im Stadtgebiet nur wenige Häuser mit zwei Stockwerken, zumeist um den Marktplatz. Links spitzt das Gasthaus „Zum scharfen Eck" (Eduard Kühnl, Oberer Markt) hervor, rechts schließt sich Hausnummer 224 an mit Läden im Erdgeschoß: Kurz-, Galanterie- und Papierwaren von Karl Wolf; auch der Konsumverein Chodau hatte dort einmal eine Niederlassung (mit Fleischerei). Im Obergeschoß befanden sich Wohnungen.
[obr] (bez popisku) (patrový nárožní obytný a obchodní dům č. p. 223 na začátku Hlavní ulice ve Slavkově, obchod „Schmid-Kaufmann", před domem stojící lidé)
Auffällig sind die dreiteiligen Fensterflügel, die nach außen zu öffnen waren und im Winter das Anbringen von Doppelfenstern innen ermöglichten! Beim Schmid-Kaufmann waren Fenster und Ladentür im Parterre zusätzlich mit Klappläden gesichert. Lm. Herbert Jakob, Groß-Umstadt, hat uns das Foto überlassen.
## D' Nåut mecht erfindarisch
Im Wiatshaus håbm sa Kårtn gspült,
grod lustigh wårns, håbm Schnåugn dazühlt.
Wöi imma nåuch da letztn Rund,
w(üll ham da Seff za speta Stund.
Neilich wieda, kålt is gwesen,
stäiht da Seff vua seina Scheesn.
Da Schlüssl gäiht ins Schluaß niat nei!
Woos kennt denn bloß die Ursåch sei'?
Er plåugt si, druggt åls wöi a Stia;
Woos is ann nua mit dera Tüa?
Dånn schimpft a laut: „Zan Teifl nei!
Wiad niat as Schluaß ei(ngfråuan sei'?"
Er bleest ins Löchl, hübm u drübm,
is mit da Zunga hängabliebm.
A Feiazeigh teet a brauchn;
håut owa kaans, taut niat rauchn.
Er reibt an Schlüssl, w(ülls prowian,
schlegt ua die Tüa, touts Bleech ledian.
Er wirmt an Grief mit seine Händ.
Nimmt latt dees Elend heint kaa End?
Die Költ gröicht nei, i(hn fröist ind' Baa.
Kaana hülft nan, is gånz allaa.
U wöi da Seff sua bleest u reibt,
dåu spüat a, wöi nan 's Wåssa treibt.
Af aamål kinnts nan: Sua mouß' göih!
Dees aus da Nåut is oft niat schöi!
Er håut dånn ei(nfåch ungeniat
döi zwaa Probleme kombiniat.
Dees wår an Seff gwieß niat peinlich,
da Erfolgh doch augnscheinlich:
Auto offm, da Seff befreit.
Mirkt's Enk dian Tipp, Ees löibm Leit!
Franz Pöttig
Anmerkung: Schnåugn = lustige Erzählung, Schnurre
Scheesn = klappriges Auto
ledian = beschädigen, lädieren
latt = wohl, vielleicht
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