## Liebe Landsleute!
Wenn der „wonnige" Monat Mai vorüber ist, geht es in Mutter Natur dem jungen Sommer entgegen. Die Heumahd steht an, Grünfutter wird eingebracht, das Getreide strebt nach Reife. Die Mittsommernacht ist nicht mehr fern. Wir Älteren schätzen Ruhe und Beschaulichkeit, lieben Licht und Wärme und freuen uns trotz mancher Beschwerden über jeden sonnigen Tag. Dabei scheint uns die Zeit wie im Fluge zu enteilen. Wie kurz uns doch eine Woche vorkommt! – So oder ähnlich wollte ich beginnen, und auch ein sinniges Gedicht unseres Egerländer Poeten aus Liebenstein bei Eger, Anton Kohl (Jg. 1920), mit dem Titel „Morgen im Felde" sollte nicht fehlen:
„Jubelnd steigt die Lerche
in die Morgenluft,
aus der Felderstille
eine Wachtel ruft.
Lichtdurchflirrte Weiten
und der Lerche Lied –
kindlichfrommer Schauer
durch die Seele zieht.
Ferne Berge, Wälder
steh'n im Morgenbrand,
Gott geht durch die Felder,
einsam, unerkannt."
Wer also an dieser Stelle, wie gewohnt, einen eigenen, manchmal politisch gefärbten, bisweilen gefühlsbetonten oder launigen Beitrag erwartet (hat), wird daher etwas enttäuscht sein.
Hier steht ein anderes, wichtiges Thema im Vordergrund: das Fortbestehen des „Schlaggenwalder Heimatbriefes".
Es ist leider absehbar, daß ich die seit 1990 freiwillig übernommene Gestaltung unseres Heimatbriefes nach fast 25jähriger Tätigkeit und 140 Folgen aus gesundheitlichen Gründen und persönlicher Notwendigkeit beenden werde. Im 84. Lebensjahr fällt es mir zunehmend schwer, Beiträge in gewohnter Weise rechtzeitig zu verfassen. Wenn die Kraft schwindet und zu versagen droht, Schmerzen zum ständigen Begleiter werden, ist es an der Zeit, die Feder wegzulegen, bevor ein anderer sie mir aus der Hand nimmt.
Landsleute! Ihr könnt mir glauben, daß mir der Gedanke ans Aufhören zuwider ist. Aber: Es wäre doch wirklich schade, wenn unser „Heimatbote" nach so langer Zeit sein Erscheinen einstellen müßte! Wenn sich jedoch jemand aus der jüngeren Generation bereit fände, diese Aufgabe mit Elan und Esprit, mit Herz und Verstand zu übernehmen, und den Heimatbrief, vielleicht in geringerem Umfang, weiterzuführen, wäre das Aufatmen groß! Es bleibt nicht mehr viel Zeit zum Besinnen, Nachdenken, Überlegen, aber bestimmt genug für einen beherzten Entschluß. An beratender Unterstützung meinerseits soll es nicht fehlen. Also, liebe Heimatfreunde, wie wär's?
In der Hoffnung, daß dieser Aufruf Beachtung findet und Erfolg zeitigt, mit allen guten Wünschen zur Gesundheit und Genesung, für angenehme, frohe Sommertage grüßt Euch herzlich, wie immer, Euer Franz Pöttig
Freund, du willst Großes vollbringen?
Sei nur im Kleinen geschickt.
Gut wird dir alles gelingen,
ist dir das Kleine geglückt!
J. W. v. Goethe
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## Aus dem Kalender
Im Juni – Brachet:
8. (So) Pfingstsonntag (50 Tage nach Ostern), 65. Sudetendeutscher Tag in Augsburg
9. (Mo) Pfingstmontag
13. (Fr) Vollmond
14. (Sa) Schafskälte, einige Tage um die Monatsmitte
19. (Do) Fronleichnamsfest (10 Tage nach Pfingsten)
21. (Sa) Sommeranfang, Sonnenwende, längster Tag des Jahres
24. (Di) St. Johannitag (Freinacht, Losnacht, Sonnwend-, Johannisfeuer)
27. (Fr) Siebenschläfertag (Die Sieben Hl. Hirten in Ephesus), Neumond
Volksmund: „Heute Regen, sieben Wochen Regen."
29. (So) St. Peter und Paul (daheim „Gewittertag!")
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