## Liebe Landsleute!
Vor mehr als 65 Jahren, also fast einem Menschenalter, mußten die meisten von uns unter Zwang die Heimat verlassen und in der Fremde eine neue Bleibe finden. Seit jeher dringen wir darauf – leider oft vergeblich, daß bei Veröffentlichungen über die Vertreibungsgebiete wenigstens unsere Heimatorte in ihrer ursprünglichen Bezeichnung – zumindest als zusätzliche Angabe – genannt werden. Das müßte doch in einem Europa ohne Grenzen fraglos möglich sein, wenn Nationalismen keine Rolle mehr spielen (sollen). Doch weit gefehlt! Das stete Bemühen von uns Vertriebenen, auch die alten deutschen Ortsnamen zu erhalten, gleicht einer Sisyphusarbeit, also einem schier unendlichen Unterfangen. Die Unkenntnis über die Geographie der böhmischen Länder ist in der deutschen Öffentlichkeit weit verbreitet, der Bildungsnotstand erschreckend. Den meisten Autoren und Programmgestaltern sind die deutschen Ortsbezeichnungen „drüben" einfach nicht geläufig.
Wenn, wie es vorkommt, deutsche Reiseprospekte über Westböhmen nur tschechische Ortsnamen wie Cheb, Františkovy Lazně, Mariánské Lázně, Karlovy Vary oder Loket und Bečov nad Teplou nennen, wird dem interessierten Reisenden kaum etwas über die geschichtlichen Hintergründe vermittelt; sie erfahren nichts darüber, daß dahinter die ehemalige Reichsstadt und Kaiserpfalz Eger, die bekannten Städte im „Bäderdreieck" Franzensbad, Marienbad und Karlsbad, das landschaftliche Kleinod Elbogen am Fluß Eger, gern als „böhmisches Rothenburg" bezeichnet, und das romantisch am Flüßchen Tepl gelegene Petschau mit Burg und Schloß stehen. Das schmerzliche Weglassen unserer deutsch-böhmischen Vergangenheit mag nicht immer in böser Absicht geschehen, sondern banaler Unkenntnis zuzuschreiben sein.
Wird jedoch in der landesüblichen Berichterstattung ständig wiederkehrend „Liberec" für Reichenberg, partout „Usti nad Labem" für unser schönes Aussig an der Elbe oder „Česky Krumlov" anstelle von Böhmisch Krummau (nicht Krumau!) und beharrlich „Bratislava" für die slowakische Hauptstadt Preßburg ohne jede Ergänzung (Klammervermerk) verwendet, dann sind zweifellos neben Einbildung und Eitelkeit auch Dummheit und falscher Stolz im Spiele. O heilige Einfalt!
Wenn dann noch die Zungen willfähriger Journalisten aus deutschen Landen sich gar mit „Špinlerův Mlyn" abmühen, anstatt einfach den bekannten Wintersportort Spindlermühle im oberen Elbetal des westlichen Riesengebirges zu nennen, dann stehen bestimmt Borniertheit und Ignoranz Pate.
Viele Landsleute sind zu Recht verbittert, wenn sie sich nach dem Verlust von Heimat, Hab und Gut auch noch der Namen ihrer Geburtsorte beraubt sehen. Ortsnamen stiften Identität, mit ihnen verbindet sich kulturelles Erbe!
Nun gibt es leider unter uns Zeitgenossen, die sich, dem herrschenden Zeitgeist folgend, in ihrem auffällig eifrigen Streben nach zweifelhafter Versöhnung anbiedernd verhalten oder eben wie die Geschichtsignoranten verfahren: Auch sie verwenden in
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