Einige Redensarten und Gepflogenheiten ums Brot verdienen es, noch einmal festgehalten zu werden, bevor sie uns gänzlich aus dem Gedächtnis entschwinden. Über den, der nur schwer an eine Arbeit zu bringen war, hieß es „Der håut sei(n Lebtoogh nuch kaa Stückl Bråut vadäint!" – Dort, wo „va da Nåut die Maus im Tischkåstn varreckt", herrschte unübersehbar Mangel. – Das Kinderlied „Jakob hat kein Brot im Haus", mußte ich in meinen ersten zehn Jahren oft als Spott anhören und ertragen. Von meiner Mutter weiß ich, daß es, wie sie immer sagte, nie vorkommen sollte, über Nacht kein Brot im Hause zu haben. In ähnlicher Weise galt bei uns in Schlaggenwald, daß auch die „Wåssakånnln" niemals leer sein durften. (Da steckte wohl die Sorge um Brandschutz dahinter!) Brauch war auch, der Kuh im Stall nach dem Kalben ein Stück Brot und Salz zu geben. Wer über Land ging, steckte sich „an Kantn Bråut" in die Tasche. Das Wort war bekannt, „daß ma jedn Be(dla a Stückl Bråut git". Um über jemand deutlich seine Verachtung auszudrücken, wies man darauf hin, daß kein Hund von dem Betreffenden ein Stück Brot fressen würde.
„Wes' Brot ich eß', des' Lied ich sing", heißt ein bekanntes Sprichwort. Müßte man aufzählen, von welchem Brot man schon gegessen hat und welche Lieder man dafür sang, gäbe es wohl kein Ende. Trotzdem sollte das Vergessen nicht über alles wuchern dürfen!
Vom Ersten Weltkrieg ist mir vom Erzählen her das Kukuruzbrot (Maisbrot) noch in Erinnerung; der Sturm auf das Amthaus, als es sechs Wochen lang kein Brot mehr gab, das Brotgetreide restlos requitiert und auf Brotmarken nichts zu erhalten war, ebenfalls.
In den Jahren, als ich zur Schule ging, holten wir das Brot beim „Kühnhackl-Beck". Der Großvater ließ beim Bauermüller mahlen, brachte das Mehl zum Bäcker und holte von dort das Brot, wie man es brauchte. Über die Eintragungen im „Bråutböichla" wurde der Backlohn verrechnet. In der „Bråutmasch" trugen wir große, obenauf dunkelbraune, glänzende, auf der Unterseite dickmehlige Brotlaibe nach Hause.
Im Jahre 1938, beim Einmarsch der reichsdeutschen Truppen, lernten auch wir „Boum" das grobe, dunkle Kommißbrot kennen, über das schon die Kriegsteilnehmer von 1914 bis 1918 eigene Bücher hätten schreiben können. Der nächste Krieg brachte wiederum seine Probleme, auch mit dem Brot. Zwar konnte die Versorgung der Bevölkerung im Reichsgebiet besser geregelt werden, und es mußte niemand hungern, aber auch Brot war rationiert und nur auf Lebensmittelmarken erhältlich. Nach Kriegsende wurde die Lage dramatisch schlechter, ja hoffnungslos. Im Sommer 1945 bekamen wir Deutschen fast keine Lebensmittel, danach häufig nur schliefiges, abgelöstes und übelschmeckendes, salzloses Brot. Zur selben Zeit hielten wir manchmal auch das „sterile", federleichte und kraftlose Weißbrot der Amerikaner in Händen. Im Jahr danach, in Bayern, Hessen und anderswo, mag mancher von uns mit bleibenden, bitteren Erinnerungen gebetteltes Brot gegessen und nicht selten auch an die Bitte an unseren Herrgott ums tägliche Brot aus dem „Vaterunser" gedacht haben.
## Juli
Klingt im Wind ein Wiegenlied,
Sonne warm herniedersieht,
seine Ähren senkt das Korn,
rote Beere schwillt am Dorn,
schwer von Segen ist die Flur –
junge Frau, was sinnst du nur?
Theodor Storm (1817-1888), dt. Dichter
Die Achtung vor dem „Grundstoff Brot" und seinem Wert für die Ernährung des Menschen war seinerzeit allgemein verbreitet. Wenn sich jemand mutwillig eine Gasse durch das wogende Meer reifer Ähren gebahnt hätte, dann hätte dieses Fehlverhalten als Frevel gegen die Schöpfung gegolten. Und das Wegwerfen von Brot, wie es heutzutage gang und gäbe ist, wäre wohl niemandem in den Sinn gekommen.
Beim Erinnern ans Brot früherer Tage hat man auch viele bekannte Gesichter vor Augen: Nachbarn, Freunde, die mit uns am Feld oder im Wald das Brot aßen. Denn es hieß: „Ua da frischn Luft, dåu schmeckt's Bråut am bestn!"
Es fallen uns auch diejenigen ein, mit denen wir das Brot teilten. Du wirst an das Madl denken, das Dir von ihrem Brot ein Stück abbrach, und Du wirst Dich dabei gerne erinnern, daß nicht das Brot allein Dir so viel Freude bereitete!
F.P.
(Nach einem Beitrag unseres im heimatlichen Brauchtum gutbewanderten Landsmannes Herbert Jakob im Hb 2/1990)
## Historisch – kurios
Wer sich mit Geschichte befaßt, stößt gelegentlich auch auf wunderliche Begebenheiten. Wer weiß schon, daß die „voreiligste" Vermählungsurkunde der Geschichte im Jahre 1368 in Nürnberg ausgefertigt wurde?
Kaiser Karl IV. (1316-1378) aus dem Herrscherhause Luxemburg und der Burggraf Friedrich von Nürnberg verpflichteten sich darin zur Verheiratung ihrer Kinder. Das war an sich nicht ungewöhnlich, aber Söhnchen Siegmund (Sigismund) und Klein-Katherine, die beiden ausersehenen zukünftigen „Ehegatten" waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren!
F.P.
## Zum Schmunzeln
Ein Schlaukopf hat in stillen Stunden
was Schreckliches, das Geld erfunden,
das Geld, um das sich alles dreht.
Als er es merkte, war's zu spät.
Seitdem heherrscht es die Gemüter,
die Menschen sammeln bare Güter.
Sie hamstern emsig Silberlinge,
als ob's ums ew'ge Leben ginge.
Doch wer auf Geld baut, baut auf Sand:
Der Schlaukopf, der es einst erfand,
erfuhr dasselbe wie auch wir:
Der Mensch muß fort, das Geld bleibt hier.
Verfasser ungenannt
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## A wing woos zan Schmunzln ...
A Schneck kröicht im zeitighn Fröihling an Kirschbaum nauf. Kinnt a Vuagl gfluagn u fräigt: „Woos mechstn du dåu?" – Die Schneck: „Ich w(üll Kirschn vazwickn." – Da Vuagl drauf: „Owa dåu hängt doch nix drua!" – Schneck: „Bis i druam bin, schu."
Drei junga Månna gebm am Ståmmtisch ua, wöi gout ihra Weiwa im Sport san. Håns: „Mei Resi schåfft im Håuchsprung zwaa Meter." – Protzt da Naz: „Mei Nannl springt siebm Meter weit!" – Prahlt da Tonl: „Dees is doch gåua nix. Mei Susi håut vua drei Wochn an Seitnsprung gmåcht u is bis heint nuch niat zruckkumma!"
An Bauern sei(n Bou kinnt gånz dahoost in d'Stu(bm grennt: „Du, Våta, an Nåchban seina Köih san af unnara Wiesn u groosn. Soll i sa vatreibm?" – Da Bauer: „Regh di niat af, Bou, tou sa melkn!"
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