[obr] Hauptstraße / Oberer Graben / Obere Gasse.
Hangseite die Häuser Nr. 422 bis 427 stehen (Besitzer waren Fam. Gräf, Korb, Grill, Sprenger, Bergler, Streitenberger). Am Bildrand ganz rechts steht die erste einer Reihe Garagen in Richtung Tröib. An dieser Stelle stand das Haus Nr. 515 (Hölperl/Scharnagl). Die Aufnahme entstand vor dem ehemaligen Gasthaus „Alte Post". Fotos von Irene und Klaus Scharnagl.
## Die alte Bergstadt
(Fortsetzung)
In der jetzigen, stets friedfertigen Bevölkerung wohnt eine gesunde Volksseele, deren Mutterwitz und Gastfreundlichkeit jedem Besucher sehr willkommen ist; ein oft seltenes Geschenk, welches bestimmt das Gefühl der Fremde aus jedem Herzen von vornherein verwischt und einen angenehmen, fast familiären Anschluß an die Bevölkerung schafft.
Die Stadt selbst ist in das Tal des sogenannten Flutbaches eingebettet und zählt ungefähr 4.000 Einwohner. Besondere Sehenswürdigkeiten sind das Rathaus am Marktplatz Nr. 1 (siehe Titelbild). Die Erbauung dieses Gebäudes geht zurück bis auf das Jahr 1521, in seiner heutigen Form stammt es aus dem Jahre 1583. Das Gebäude wurde durch mehrere Um- und Zubauten besonders im Innern stark verändert. 1754 wurde am Rathausturm eine neue Armensünderglocke aufgehängt. Im Hofraum ist heute noch ein massiv gewölbter Raum zu sehen, der als Folterkammer diente. Das erste Stockwerk enthält die Kanzleien des Bürgermeisteramtes und die Kanzleien der städtischen Sparkasse als auch das außerordentlich reichhaltige Archiv. Im Erdgeschoß befand sich lange Zeit hindurch die Rathausschänke; eine Gedenktafel in diesem Raume, als auch eine solche an der Straßenseite des Gebäudes besagen, daß Goethe im Jahre 1811 und 1818 hier abgestiegen war. Heute ist in diesem Raume das städtische Museum mit ziemlich reichen Sammlungen aus der Vergangenheit der Stadt untergebracht. An der Front gegen den Marktplatz sind auf zwei großen Tafeln gemalt rechts das Stadtwappen aus dem Jahre 1647 und links der böhmische Löwe zu bemerken. In der Mitte zwischen diesen beiden war bis in die Umsturztage der Doppeladler zu sehen.
Die St. Georgskirche als Dekanalkirche der Stadt besitzt schön gemalte Glasfenster und wunderbar geschnitzte Kreuzwegbilder aus dem Grödnertal in Tirol. Die Erbauung dieser Kirche fällt in den Beginn des 14. Jahrhunderts, in ihrer heutigen Form aber stammt sie aus dem Jahre 1520. Das über dem Hochaltar aufgestellte Kreuz mit dem Heiland, ein Meisterwerk der Holzschnitzerei, ist ein Geschenk des Probstes Werner (eines geborenen Schlaggenwalders, der nach Aufhebung des ehemaligen Zisterzienserstiftes Plaß dieses Kruzifix seinem Geburtsort schenkte). Die Kirche wurde im Jahre 1903 innen vollständig renoviert. Von der Galerie des Kirchturmes aus bietet sich ein herrlicher Rundblick über die Stadt und deren nächste Umgebung.
Kurz vor der Dekanalkirche, auf der sogenannten Kirchenstaffel, ungefähr in der Höhe des Dekanalgebäudes steht als altes Kunstdenkmal eine steinerne Gedenksäule. Erbauer als auch Errichtungsjahr sind unbekannt. Die Sage erzählt, daß Kaiser Mathias um das Jahr 1618 die Stadt wegen Ungehorsam bestrafen wollte und bei dieser Säule sitzend, den Befehl gab, Schlaggenwald an vier Ecken anzuzünden und zu vernichten. Die Stadtältesten sollen den Kaiser aber kniefällig um Gnade gebeten haben, worauf dieser von seinem Vorhaben abließ und die Stadt verschonte. In Wirklichkeit aber war Kaiser Mathias recht friedfertig und soll bis zu seinem am 20. März 1619 erfolgten Tode ein besonderer Freund der Bergstadt Schlaggenwald gewesen sein. Es dürfte sich bei dieser Sage vielmehr un eine Verwechslung Kaiser Mathias mit dem Landsbeschädiger und Bedränger Mannsfeld handeln. (Fortsetzung folgt)
## Das Gewerbe
[obr] (bez popisku) (blok dobových inzerátů slavkovských živnostníků)
Emil Reif, Schlaggenwald.
Fleischerei und Selcherei
mit elekt. Betrieb, empfiehlt seine stets frischen Fleisch- und Wurstwaren.
Oskar Neidhart
führt alle einschlägigen Arbeiten in Glaswaren und Bildrahmen durch
Hans Ziener,
Schlosserei.
Schlaggenwald, Neustadt.
Lager von Fahrrädern, Kinderwägen und deren Bestandteilen.
Hotel Bahnhof
Gut bürgerliche Küche. Streng solide Bedienung und Preise.
Inhaberin: Anna Franz.
Gasthaus zum Hirschen,
Schlaggenwald, Schulplatz.
Guter u. billiger Mittagstisch.
Besitzer: Joh. Steinbach
Gasthaus zur alten Post
Schlaggenwald, Bahnhofstr.
Sonnige Fremdenzimmer. billiger Mittagstisch.
Besitzer: Oskar Hahn.
Zahn-Atelier
Alois Gareis
Schlaggenwald
Kirchengasse Nr. 165
9 – 12 2 – 5
Emanuel Waldert
Likörerzeugung,
Schlaggenwald, Marktplatz.
ff Erzeugnisse
Antike Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände aus Zinn erzeugt u. liefert
Karl Hanika,
Zinngießerei,
Schlaggenwald.
Anton Ott,
Maßschneiderei für Herren- und Damen-Moden,
Schlaggenwald,
Kirchengasse Nr. 184.
Gastwirtschaft zum Egerländer
5 Fremdenzimmer Gute Verpflegung. Besitzer des schönen Strandbades.
Franz und Anna Dietrich
Aller Welt bekanntes
Gasthaus zum schöin Bürga!
Inhaber: Albrecht Sacher.
Schützenhaus-Pinge
Alte historische Schießstätte. Beliebter Ausflugsort. Gute Küche.
Emil und Hermine Herzog.
Drogerie u. Photohaus
Franz Köppl, Schlaggenwald.
Leistungsfähigste Bezugsquelle in Drogen, Chemikalien und Lacke. Bedarfsartikel für Fotografie. Einziges Fachgeschäft am Platze.
Die Vielfalt von Handel und Gewerbe in der Stadt zeigte sich immer wieder in verschiedenen Inseraten. Ihre Namen, Bezeichnungen und Berufe leben in unserer Erinnerung, sie sollen auch der Nachwelt erhalten bleiben.
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