## Meine lieben Landsleute!
„Friede auf Erden", so heißt es in der Weihnachtsbotschaft. Drei kurze Worte nur, inhaltsschwer, heilverheißend, Sinnbild menschlicher Sehnsucht. Aber wie weit sind wir Menschen vom Frieden entfernt! Krisen und Zwietracht untereinander, aber auch Kriege, Not und Elend lassen an dieser Verheißung zweifeln. Machtlos sieht sich der einzelne solchem Unglück gegenüber, und die Mächtigen ändern wenig oder nichts. Da hilft wohl nur noch Beten.
Es gibt Leute, die im Wohlstand leben, aber das große Fest der Christenheit als „Konsumweihnacht", „sentimentale Narkose" und „Gefühlsduselei" herabsetzen wollen. Wer so leichtfertig urteilt, macht es sich sehr, ja zu einfach. Zugegeben, auch Christbaumkerzen werfen Schatten. Doch zu keiner Zeit war Weihnachten eine Oasé der Glückseligkeit mit ungetrübter Harmonie. Aber das Christfest war schon immer und bleibt ein Fest der Familie, auch und mehr denn je für die Jugend. Das ist gut so in einer Welt, die weithin gefühlsarm, kalt und egoistisch geworden ist und von einer Manie, der Gier, beherrscht wird. Weihnachten ist nicht von Geschenken und ihrem Wert abhängig.
Wer nicht völlig von Eigensucht geblendet ist, darf auch oder gerade in der Adventszeit nicht die Augen verschließen vor den Sorgen anderer, vor dem Leid der Armen, Einsamen und Flüchtlinge, vor dem Siechtum der Kranken, vor dem Hunger der Kinder und Alten, die nicht nur in den Elendsvierteln am Rande der Großstädte, eingezwängt zwischen Müllbergen und Unrathalden, in Hütten aus Pappe, Blech und Plastik hausen. Armut und Allein(gelassen)sein sind die Balken jenes Kreuzes, an das man diese Ärmsten nagelt. Sie, die Opfer einer gefühlsrohen, gleichgültigen, nur auf Macht und Profit ausgerichteten Mitwelt, in der jeder sich selbst der Nächste ist, bedürfen unserer Anteilnahme und Hilfe.
Vergessen wir nicht, daß auch wir einmal, heimatvertrieben, arm und einsam und dann für jede hilfreiche Hand dankbar waren!
Doch niemand kann übersehen, daß viele Menschen für die Nöte anderer ansprechbar und zu Gemeinsamkeiten fähig geblieben sind. Die religiöse und soziale Botschaft des Weihnachtsevangeliums wird noch immer verstanden – auch ohne sie immer und überall an die große Glocke zu hängen. Es gibt ungezählte Arme im Lande, aber zahllose gute Taten, die fernab der Öffentlichkeit vollbracht werden.
Auch für alle, die den Sinn des Festes nicht mehr begreifen oder noch nie begriffen haben, ist Weihnachten ein Angebot: zum Atemholen und Nachdenken, zum Sich-Finden und zur Besinnlichkeit.
Christlicher Glaube und Frieden in unserer Zeit lassen sich weder verordnen noch in Weihnachtspapier verpacken. Die Botschaft von Bethlehem, aber eine Botschaft der Freude, des Friedens und der Zuversicht, gilt allen, nicht zuletzt den Friedlosen, den Enttäuschten, den von Unrast Geplagten und schließlich auch jenen, die nicht wahrhaben wollen, daß man ohne Glauben das Leben nicht verstehen kann.
Wenn dieser „Heimatbote" bei Euch ankommt, befinden wir uns schon in der Adventszeit und Weihnachten steht wieder vor der Tür. Weihnachten daheim, welch schöne Erinnerungen werden da in uns wach! Die Kinder- und Jugendzeit, das Elternhaus, die unbeschwerten Jahre in Geborgenheit. Man kann fast nicht glauben, daß dies alles nun schon über 60 Jahre her ist. Und trotzdem tragen wir unsere vertraute Heimat von einst, unser liebes Schlaggenwald mit seinen Dörfern, im Herzen und so wollen wir es auch weiterhin halten und sie nicht vergessen.
Euch allen, meine lieben Landsleute, wünsche ich eine geruhsame Adventszeit und ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest; mögen diese Feiertage Ruhe und Besinnlichkeit bringen. Für das neue Jahr 2010 möchte ich Euch Gesundheit und Glück, verbunden mit Freude und Zufriedenheit, wünschen.
Für manche hat das alte Jahr sicherlich auch Leid gebracht, und auch im neuen wird nicht immer die Sonne scheinen.
Es grüßt Euch herzlich und in alter Verbundenheit
Euer Franz Pöttig
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