## Blick nach drüben
Presseberichten zufolge
– erhält die Schnellstraße Eger – Karlsbad, eine wichtige Verkehrsader in Westböhmen, in Neusattl (Nové Sedlo) einen neuen Zubringer. Fertigstellung der vierspurigen Schnellverbindung (E 49) im Jahre 2010/11. Bis dahin sind noch viele Baustellen eingerichtet.
– erwägt die CR-Regierung in Prag die Errichtung von Atommüll-Endlager nahe der deutschen Grenze in den nächsten Jahrzehnten. Bisher sieht die Planung sechs mögliche Standorte vor; hinzu kämen die beiden Truppenübungsplätze von Boletitz bei Krummau (Südböhmen) und im Duppauer Gebirge, nur rund 40 km von der Grenze entfernt. Erste Untersuchungen ergaben geeignete geologische Voraussetzungen für unterirdische Lager.
– zeigte die Ausstellung „Zerstörte Kirchen" in der Schlackenwerther Klosterkirche „Mariä Verkündigung" im Sommer 2009, daß in der Pilsner Diözese seit 1946 einige Dutzend Kirchen verschwunden sind und etwa 30 weitere in solch schlechtem Zustand sind, daß ihr gänzlicher Verfall kaum mehr aufzuhalten ist. (Man betrachte das Beispiel der St.-Georgs-Kirche in Schlaggenwald!) Gründe: Vertreibung der deutschen Bevölkerung – Neusiedler ohne Verhältnis zur Kirche – Zielscheiben für Schießübungen des Militärs – Fehlen von Gläubigen – Desinteresse staatlicher Stellen – Ausbleiben von finanziellen Mitteln.
Nur etwa ein Viertel der tschechischen Bevölkerung bekennt sich zum Katholizismus, annähernd 60% haben keine religiösen Bindungen. Innerhalb der konservativen Demokratischen Volkspartei (ODS) von Staatspräsident und EU-Gegner Vaclav Klaus – inzwischen aus dieser Partei ausgetreten! – gibt es starke antiklerikale Tendenzen.
– scheint nach dem Konkurs der „Karlsbader Porzellan AG" (Karlovarská porcelán), Hauptsitz Neurohlau, 1.800 Mitarbeiter, im Herbst 2008 (Schuldenberg fast 60 Mio Euro), die wirtschaftliche Dauerkrise nun zu schwinden. Teilen der Belegschaft, man sprach von 1.100 Beschäftigten, war zum 31.3.2009 gekündigt worden. Die Betriebe in Neurohlau, Klösterle, Lesov und Altrohlau soll die Pilsener Immobilienfirma Hengis (im Auftrag des Konzerns AP Trust) übernehmen. Auch das Werk Chodau habe den Besitzer gewechselt.
Anfang der 90er Jahre gab es in der westböhmischen Porzelanindustrie noch 14 Standorte mit etwa 3.000 Beschäftigten.
F.P.
## Die alte Bergstadt
In der Vorkriegszeit (Ende der zwanziger Jahre) gab die Gemeinde Schlaggenwald einen mehrseitigen, bebilderten Faltprospekt heraus, der durch Beschreibung von Land und Leuten den Fremdenverkehr fördern sollte. Der Titel lautete: „Die alte Bergstadt Schlaggenwald als Sommerfrische und Wintersportort ." Autor war Ing. C. E. Horner.
Wir wollen den Inhalt dieses bemerkenswerten historischen „Verkehrsblattes" in mehreren Abschnitten veröffentlichen.
„Schlaggenwald – eine der ältesten Bergstädte Westböhmens, liegt 584 m hoch in den östlichen Ausläufern des Kaiserwaldes, ungefähr 11 km südwestlich von Karlsbad. Wandert man egeraufwärts bis zur Burgfeste Elbogen, so gelangt man von dort nach ungefähr eineinhalbstündiger Wanderung durch das an Naturschönheiten überaus reiche Zechtal nach Schlaggenwald. Schlaggenwald ist zufolge seiner gesunden Lage, als auch seiner reinen Bergesluft für jeden Sommerfrischler und Wintersportler bestens zu empfehlen. Es ist ein Städtchen, das ferne vom Weltengetriebe, vom Industrierauch und vom Autolärm seine Gegenwart in seiner von der Natur aus herrlichen Lage verträumt, ein Städtchen, das jedem Fremden den richtigen Genuß einer ruhigen Sommerfrische bietet. Die weitausgedehnten Waldungen mit ihrem wunderbaren Fichten- und Kiefernbestand, die saftigen grünen Wiesen und die in ihnen so zahlreichen größeren und kleineren Teiche, bieten auf Schritt und Tritt Landschaftsbilder von besonderem Reize und unvergänglichem Eindruck, ebenso wie die markantesten Bauten aus der Zeit des Bergbaues den damaligen Reichtum und die Wohlhabenheit der Stadt bezeugen.
Frühzeitig, wie die Chronisten berichten, bereits um das Jahr 1220, vielleicht noch früher, durchgruben emsige Bergleute die Gründe der Umgebung der Stadt und fanden Silber und Zinn. Man pochte das Erz, schmolz das Metall und formte allerlei Gegenstände: Kannen, Tassen, Teller, Lampen, Ampeln, Leuchter, allerlei Kirchengeräte, viele andere Gebrauchs- und Luxusgegenstände und versandte sie in die ganze Welt. Schlaggenwald wurde berühmt. Kaufleute, Äbte und Domherren kamen aus der ganzen Welt, besichtigten die Betriebe und bestellten, was ihnen gefiel. Die Stadt wurde reich, sie erhielt ein kaiserliches Bergoberamt und für die Bildung ihres Nachwuchses gab eine Lateinschule Stoff und Unterricht. Auch große Männer gebar die Stadt, so: Kaspar Bruschius, Dichter und Geograph 1518 bis 1559, Zacharias Theobald, Astronom und Historiker, Universitätsprofessor, gestorben 1617, Christoph Chrinesius, Orientalist, Universitätsprofessor, gestorben 1629, Elias Dollhopf, Porträt- und Freskomaler, gestorben 1772 und andere mehr.
Die Ergiebigkeit der Gruben ließ aber nach und ihre Förderung ging zurück. Als dann noch im Laufe des 30jährigen Krieges verschiedene Religionsreibereien in der Bevölkerung viel Unheil verursachten, verschwanden allmählich das Glück und der Reichtum aus der Stadt. Der Bergbau klapperte nur spärlich dahin, bis er im Jahr 1868 (Aufhebung des Bergamtes) vollständig eingestellt werden mußte. Seit dieser Zeit stehen alle Räder still, alle Stollen sind aufgelassen, das „Glückauf" ist verhallt und Handwerker jedwedes Standes setzen Kartoffeln und säen Korn, um sich und ihre Familien ernähren zu können. – In der ganzen Umgebung sind als tote Zeugen einstiger Lebendigkeit nur große Kegeln aus Schutt, verlassene Halden und moderne Abwasserstollen. Auch im engeren Stadtgebiete findet man auf Schritt und Tritt Denkmäler einer vergangenen, reichen Zeit und vernimmt man vom Turme der Stadtkirche den Elf-Uhr-Schlag am Vormittag, so setzt ein lustiges Glöcklein sein Stimmchen ein und erzählt als einziger noch vorhandener Zeuge vom Wechsel der Schicht in der Bergbauzeit. Das Bergwerk ist versunken, doch das Glöcklein tönt fort, es überdauerte Krieg und Not, es hielt aus in Sturm und Wind und Wettersnot, bis es vielleicht, Gott gebe es, mit seinem Gleichklang eine neue Bergmannszeit erläuten kann. Glück auf!" (Fortsetzung folgt)
## Bilder von früher, von daheim ...
[obr] In der Pinge wurde ein Fußballturnier ausgetragen. Donawitz spielte beim Gastgeber Schlaggenwald am 1.9.1929 unentschieden 2:2. Die Geröllhalde im Hintergrund verrät den Spielplatz. Eine andere Sportanlage stand damals (noch) nicht zur Verfügung. Die Angaben im Heimatbuch (S. 363) erfahren hiermit eine Erweiterung.
Die beiden Aufnahmen stammen aus dem Besitz von Lmn. Marianne Lugner (Turba).
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