## Liebe Landsleute!
„Kde domov muj?" (Wo ist meine Heimat?), sang der tschechische Lyriker J. K. Tyl Mitte des 19. Jahrhunderts, „dort, wo das Wasser durch die Wiesen plätschert, dort, wo die Wälder über den Felsen rauschen" – Naturszenen, ewige Sehnsucht der Menschen nach dem Land, in dem ihr Leben begann und immer ihre Wurzeln gründen. Dieses Volkslied wurde 1919 zur Nationalhymne der Tschechoslowakischen Republik (CSR) und sollte dem elementar-menschlichen Empfinden für den Lebensraum der Kindheit, für Familie, Heim und Volk entsprechen.
Im Lande Böhmen liebten auch wir unsere Heimat, und im Egerland waren wir Deutschen seit Jahrhunderten daheim. Das Staatsgebilde CSR indes, im Volk „Tschechei" genannt, 1918 fragmentarisch aus den Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie entstanden, war nie unser Vaterland. Wie denn auch?
Jedoch beim Intonieren der österreichischen Hymne: „Gott erhalte, Gott beschütze unser'n Kaiser, unser Land ..." (bis 1918) und des rein ideellen Liedes: „Deutschland, Deutschland, über alles ..." (1938-45) spürten wir die enge Bindung zum Land der Väter und fühlten echte Zugehörigkeit.
Nach Erleben und Durchleben eines Grenzlandschicksals, das in Europa seinesgleichen sucht, und nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 mit unserer Vertreibung aus der angestammten Heimat endete, fanden wir Deutschen aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien in den Ländern der bundesdeutschen Republik Obdach und Bleibe, Frieden und Freiheit, Schutz und Geborgenheit, die wir zwanzig Jahre unter dem tschechischen Joch entbehren mußten.
Die schmerzliche Erfahrung der Vertreibung kann uns nicht den Blick zurück verstellen. Seit 1945 bestimmen andere, Fremde Weg und Geschick des Landes. Wenn sie aus gehobenem Anlaß ihre Hymne „Wo ist meine Heimat?" anstimmen, dann soll sie
auch unser Egerland daran gemahnen, daß sie anderen nahmen, wovon sie herrisch Besitz ergriffen und wo sie selbst noch keine Wurzeln schlugen.
Der Selbstbetrug einer Existenz in fremden Häusern, der widerrechtlichen Aneignung fremden Eigentums wird am deutlichsten im Schrifttum, in Führern und Handbüchern, in denen man das besetzte Land, unsere Heimat, mit den Erfolgen und Traditionen einer Vergangenheit schmückt, die nicht den Menschen von heute, sondern den deutschen Begründern und vertriebenen Bewohnern gehört.
Unsere Geschichte im Land an der Eger ist keineswegs nur ein Geschehen von gestern. Wir atmen in ihr, wir wirken aus ihr. Das Wort Adalbert Stifters kommt uns in den Sinn: „Ein Mensch ohne Erinnerung ist kaum ein Tier, kaum eine Pflanze, und ein Volk ohne Erinnerung ist kaum ein Volk". Aus der Erinnerung leben heißt auch der alten Heimat nahe sein. Das holt eine vertraute Landschaft in das Bewußtsein der Gegenwart, eine Region, bekannt durch Montan- und Porzellanindustrie, berühmt durch ihre Heilbäder, deren Namen die Zeiten überdauern, und unsere Bergstadt am Kaiserwald, die wir nicht vergessen werden bis an das Ende unserer Tage.
Was alles macht Heimat aus? Wesentlich ist der Umgang mit vertrauten Menschen. Der Kreis der Getreuen wird zwar immer kleiner, doch Aufgeben entspricht nicht unserem Naturell. Deshalb wollen wir uns auch heuer wieder in der Patenstadt Auerbach i.d.Opf. treffen. Am Wochenende 6./7. September sollten sich möglichst viele Teilnehmer einfinden.
Vorher erlauben wir uns einen Blick in den Kalender. Wir nähern uns schon wieder der Jahresmitte. Nach den kalten und unfreundlichen Monaten März und April könnten wir auf den Kaltlufteinbruch Mitte Juni, auch daheim „Schafskälte" geheißen, gerne verzichten. Der Volksmund wußte zum St. Vitus-Tag
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