Kampf um den Zinnhandel wies ebenso dramatische Momente auf wie der Handel mit dem slowakischen und Tiroler Kupfer oder dem steyrischen Eisen.
Die Entfaltung der Bergbautätigkeit im böhmischen Erzgebirge wurde durch Verkündung der neuen montanrechtlichen Richtlinien des sächsischen Typus ermöglicht. Ihre Grundsätze entsprachen nämlich besser dem dynamischen Verlauf des Bergbaus als die Constitutiones iuris metallici, das erste böhmische Berggesetz vom Jahre 1300. Zum Muster ist die Annaberger Bergordnung vom Jahre 1509 geworden, deren Grundsätze schon im selben Jahr in die Bergordnung für Schlaggenwalder Zinnbergwerke übernommen wurden. Als ein Ganzes wurde sie im Jahre 1518 in die Joachimsthaler Bergordnung einverleibt. In den Jahren 1521 bis 1542 wurde sie dann als bergrechtliche Norm von einer Reihe böhmischer Grubenreviere übernommen. Die ergänzte Joachimsthaler Bergordnung wurde im Jahre 1548 zur königlichen Bergordnung erklärt und gleichzeitig für die Zinnbergwerke im Erzgebirge und Kaiserwaldgebirge modifiziert. Die Joachimsthaler Bergordnung ist in der Folge zum Berggesetz für alle neu erschlossenen Bergwerke in den Böhmischen Ländern geworden. Ihre Grundsätze blieben bis zur Herausgabe des allgemeinen österreichischen Berggesetzes im Jahre 1854 gültig.
Vom Erfolg des Joachimsthaler Silberbergbaus angeregt, erlebte die bergmännische Tätigkeit im Königreich Böhmen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Glanzperiode. Dank steigender Erträge aus dem Bergbau nahm die Intensität der handwerklichen Produktion in den Bergstädten stetig zu. Die Zahl der Gewerbe stieg an, aber nicht nur die der gewöhnlichen, sondern auch die der Kunsthandwerke, so zum Beispiel die der Goldschmiede, der Medailleure, Stempelschneider, Steinmetze, Steinschleifer, Baumeister, Bildhauer, Metallgießer, Glasmacher, Kunstmaler und anderer spezieller Professionen, wie die Herstellung der Handsteine. Vom Aufschwung der Joachimsthaler Gewerbe zeugt die Tatsache, daß für den Anfang der 30er Jahre des 16. Jahrhunderts in der Stadt schon rund 100 Zunftshäuser nachzuweisen sind.
Besonders die Bergstadt Joachimsthal erlebte in dieser Zeit ihre besten Jahre. Im Zeitraum, in dem hier GEORGIUS AGRICOLA wirkte, entwickelte sich auch ein hohes kulturelles Niveau. Die Rektoren und Schulmeister der Joachimsthaler Lateinschule waren wohlgebildete Pädagogen und Gelehrte. An dieser Bildungsstätte entstand eine Bibliothek, die mehrere hundert Bücher zu theologischen, juristischen, historischen und naturwissenschaftlichen Themen umfaßte. Sie ermöglichte es den Joachimsthaler Geistlichen, Pädagogen, Ärzten sowie auch den Stadt- und Bergbeamten, ihre Bildung zu vervollkommnen. Zöglinge dieser Lehranstalt setzten dann das Studium an Universitäten, vor allem in Wittenberg, Leipzig, Heidelberg und Erfurt, fort.
Es war aber vom Schicksal vorbestimmt, daß Joachimsthal selbst Leidvolles
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