Die FLEISCHBÄNKE (vgl. S. 245). Schon in dem Baubescheid des Herrn Caspar Pflug vom 27. September 1543 werden zwischen Altstadt und Markt auf jenem Platze die Fleischbänke erwähnt, wo sie heute noch stehen. Ihr schmaler, langer Erdgeschoßbau, mit einem Pultdach eingedeckt, wird derselbe sein, den hier die Mitte des XVI. Jahrh. gekannt hat. Dieser Zeit könnten auch die kleinen rundbogigen Fenster und Türen entsprechen, mit denen sich die Fleischbänke zur Gasse öffnen.
Das bürgerliche Wohnhaus und das Pflughaus
Das bürgerliche Wohnhaus.
Im Bauaufwand und in der Gestaltung des Schlaggenwalder Bürgerhauses drückt sich mehr als anderswo die Geschichte der Stadt aus. Einzelheiten in der Architektur, die an sächsische Bergstädte, in manchem auch an Nürnberg erinnern, deuten auf die Wege der Zuwanderung in den Tagen des besten Bergsegens genügend hin. Zeitlich beginnt in Schlaggenwald die bürgerliche Bautätigkeit noch etwas vor den Jahren, in denen das wenige öffentliche Bauwerk entsteht, das zum Schlaggenwalder Kunstbesitz heute zählt. Doch ist Nennenswertes aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrh. auch nicht mehr erhalten. Mit den Zierformen der späten Gotik gekennzeichnet, setzen um 1500 die erhaltenen Hausbauten ein. Erscheint auch in der Gliederung der Hauswand und in der Plangestaltung nur das einfache Bürgerhaus der Renaissance, so wird doch immer wieder in der Schmuckgebung von dem Baumeister auf die Zierformen der Gotik zurückgegriffen. Besonders in der Ausstattung der architektonisch besonders betonten Hauspforten wechseln die beiden Stilarten, deren Abwandlungen man hier in naiven Auffassungen bis zum Haustor der späten Barocke an Beispielen verfolgen kann.
Auch für die Entwicklung des Hausplanes und der Raumteilung liefert alter Baubestand noch manchen wertvollen Beitrag. Da zeigt sich in manchen Häusern ein guter Ansatz zu der den Grundriß des Hauses beherrschenden Diele, während die aus geräumiger Flur emporführende Treppe selten für die Innenarchitektur ausgewertet wird. Von der baulichen Inneneinrichtung des Bürgerhauses, wie von alten Türen, Fenstern, Holzdecken, Öfen und Kaminen, haben sich nur spärliche Reste erhalten, wenn es auch eine nicht zu ferne liegende Zeit ist, die mit diesem Inventar rücksichtslos aufzuräumen begonnen hat.
Neben dem Stein- und Ziegelbau der vornehmen Häuser der Gewerke und Patrizier war früher besonders in den höher liegenden Stadtteilen fast allgemein die wohlfeilere Bauart des Fachwerks für die ober dem Erdgeschosse liegenden Hausteile vorgezogen worden. Seine alten gotischen Formen mit dem Hochgiebel sind längst verschwunden, da sich die Lebenszeit des freistehenden Holzbaues auch bei guter Baupflege hier kaum über zweihundert Jahre erstreckt. Was heute von altem Fachwerk und äußerem Holzbauwerk zu sehen ist, gehört der Barocke an. Neben dem Fachwerkstil ist besonders in frontalen Giebelwänden hier häufig die sächsisch-erzgebirgische Bauweise der mehr oder
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