Zum Geleit
Je reicher Deiner Jugend Seligkeiten,
je mehr Dich Zeit und Raum von ihnen trennt,
desto tiefer klingen Deines Herzens Saiten,
wenn einer Deine Heimat nennt!
Liebe Landsleute, verehrte Leser!
Dieses Heimatbuch berichtet in Wort und Bild über die einst kaiserlich freie Bergstadt Schlaggenwald im Egerland und ihre umliegenden Dörfer. Es greift weit zurück bis in die Gründungszeit dieser kleinen romantischen Stadt am Ostrand des Kaiserwaldes, zeigt ihr Aufblühen im Bergbau, erzählt von Handwerk und Industrie, beschreibt Leben und Treiben, Handel und Wandel, Sitten und Brauchtum der Bewohner und stellt die wechselvolle Geschichte vom Mittelalter bis in unser Jahrhundert dar. Die Aufzeichnungen enden nach dem Zweiten Weltkrieg mit der gewaltsamen, rechtswidrigen und unmenschlichen Vertreibung von uns Deutschen aus dieser angestammten Heimat.
Mehr als vier Jahrzehnte sind seitdem ins Land gezogen. Wir Heimatvertriebenen haben uns an vielen Orten aus der Not der Nachkriegszeit mit Ausdauer und Fleiß wieder ein neues Zuhause geschaffen und es zu Ansehen und Wohlstand gebracht. Das anfänglich tiefe Heimweh ist mit der Zeit einer stillen Wehmut gewichen, und die bittere Gewißheit, daß manch guter Freund aus früheren Tagen uns bereits in die ewige Heimat vorausgegangen ist, schmerzt.
Die räumliche Trennung der ehemaligen Einwohner in der langen, verflossenen Zeit wäre imstande, die engen nachbarlichen Bindungen von einst und den Zusammenhalt der Landsleute empfindlich zu schwächen. Waren der zeitliche und finanzielle Aufwand und der ideelle Einsatz, jetzt noch ein besonderes Buch zu veröffentlichen, überhaupt sinnvoll? Hat nicht auch der Heimatbrief in seinen vielen Ausgaben immer wieder über unsere Ortschaften berichtet?
Welche Gründe waren es, die einige Landsleute dennoch bewogen, nach Jahr und Tag noch einmal zur Feder zu greifen, um über ihre alte Heimat zu schreiben, über eine Stadt und ihre Umgebung „drüben im Böhmischen", deren Bürger ein unerbittliches Schicksal in alle Winde zerstreute und deren Antlitz inzwischen bis zur Unkenntlichkeit entstellt und verändert worden ist?
Sie ließen sich, unbeeindruckt von kleinlichen Zweifeln, unbeirrt von dem Gedanken leiten, mit einem Heimatbuch
- das Unrecht der Vertreibung von Haus und Hof nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen,
- die Verbundenheit der Landsleute, die ihre Heimat noch bewußt erlebten, untereinander und mit dem Land ihrer Väter weiter zu erhalten, zu pflegen und ihre Erinnerungen daran wachzuhalten,
- allen Heimatfreunden und interessierten Lesern Kenntnisse über das Leben unserer Vorfahren und den geschichtlichen Werdegang dieses Siedlungsraumes in gestraffter Form zu vermitteln und das Verständnis für unsere Eigenart zu wecken und zu verbessern sowie
- den Nachkommen der Vertriebenen ein solides, vielseitig angelegtes, volkskundliches Sachbuch als Dokument über die Vergangenheit und die Herkunft ihrer Eltern als bleibendes Vermächtnis zu übergeben.
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