Ziegelhütten
Öitzä kinnt ä Zuch,
dåu gemmä ä weng af d'Båhn!
A. Köhler
Das durch 1 1/2 Stunden Fußmarsch am weitesten entfernte, zum Einzugsbereich von Schlaggenwald gehörende Dorf, 417 m ü.d.M. gelegen, war Ziegelhütten.
Umgeben vom großen Wald des Ziegenrückens, den grünen Wiesen an der Tepl und den Waldhängen an der Kaiserstraße, lag es am Ausgang der „Kalten Loh" lange Zeit abseits großer Ereignisse und Entwicklungen.
Wie schon der Name besagt, entstand die Ortschaft aus einer Ziegelhütte, die bereits zur Zeit des Elbogener Grafen Schlick vor 1500 aus Lehm Ziegel brannte und nach Karlsbad lieferte. Am 8. Oktober 1599 wird Ziegelhütten als eine Ansiedlung erwähnt, die man mit der königlichen Burgherrschaft zu Elbogen an die Stadt Elbogen verkaufte. Der Name findet sich wieder in Urkunden vom 14. Juli 1608 und 24. Oktober 1633, die anläßlich von Grenzvermessungen ausgestellt wurden. Die Kreuzsteine oberhalb des Ortes, wo der Schlaggenwalder Steig abwärts führte, waren in unserer Zeit noch vorhanden, ebenso ein großer Rainstein mit der Jahreszahl 1564 und dem Monogramm „LD".
Eine Ziegelei, kleine Landwirtschaften und die Arbeit im Wald mögen das Leben im Dorf geprägt haben. Im Jahre 1894 zählte man 14 Hausnummern und 130 Einwohner, als in dieser Abgeschiedenheit sich dann auch dort die Dinge änderten, ausgelöst durch die aufstrebende Porzellanerzeugung, den Bau der Kaiserstraße und der Bahnlinie vom 10 km entfernten Karlsbad nach Marienbad (46 km). Arbeitsplätze entstanden in den Fabriken Pirkenhammer, Aich und Maierhöfen sowie beim Kurbetrieb in Karlsbad. Mit der Eisenbahn und mit Privatautos kamen Sommerfrischler in das idyllisch gelegene Dorf.
Eine besondere Veränderung erfuhr Ziegelhütten durch den Besitzer der Porzellanfabrik Fischer & Mieg in Pirkenhammer, Rudolf Fischer, der es zu seinem Alterssitz erhob. Er kaufte 1020 ha Wald, überwiegend von der Stadt Elbogen, große Wiesen und Ackerflächen und auch Liegenschaften der kleinen Bauern auf. Er errichtete einen Meierhof, baute 1890 auf der Anhöhe eine Villa, im Volksmund „Zöiglhüttner Schluäß" genannt, legte Gärten und Parkanlagen an, errichtete ein Wohnhaus für sein Personal und im Wald gegen Hans Heiling ein Forsthaus mit dazugehörigen Gebäuden. Er schuf vier Hegerstellen: Heger Friedl neben dem Forsthaus, Krischeu an der Straße über der Tepl, Sandner am Rande des Dorfes und Frech „Auf der Heid".
Christiane Ritter, eine Urenkelin von Christian Fischer, dem Mitbegründer der westböhmischen Porzellanindustrie in Pirkenhammer, wuchs am elterlichen Gut auf und erlangte hohe Anerkennung mit ihrem Buch „Eine Frau erlebt die Polarnacht", das in 18 Sprachen übersetzt wurde und in vielen Ländern in Blindenschrift gelesen wird. Vom Heimatverband der Karlsbader erhielt sie 1982 zu ihrem 85. Geburtstag die „Josef-Hofmann-Plakette".
Ziegelhütten gehörte im 17. Jh. zu Gfell, kam 1877 zu Poschitzau und blieb von 1919 bis 1945 eine selbständige politische Gemeinde. Das Dorf besaß eine einklassige Schule, die auch auf Betreiben Fischers entstand. Vor 1895 besuchten die Kinder die Schule in Ziegelhütten nur in den Wintermonaten und im Sommer den Unterricht in Donawitz. Begabte Schüler gingen auch nach Schlaggenwald in die Bürgerschule oder nach Karlsbad, als die Bahn den Besuch dort ermöglichte. Der Ort gehörte zur Pfarrei Donawitz, in der man auch die Verstorbenen beerdigte.
Beim Ziegelhüttener Fest am Sonntag nach Wenzel (28.9.), später nach Michaeli, fand der Gottesdienst im Freien beim Glockenturm statt, unter dessen kapellenartigem Dach
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