Müllersgrün
Wohin die Wege führen, verstehen wir, wenn wir erkennen, woher sie kommen.
Emil Franzel
Südöstlich von Schlaggenwald, 20 Gehminuten über Rabensgrün hinaus, kommt man in das Dorf Müllersgrün, in früherer Zeit auch „Milesgrün" genannt. Es liegt am Abhang des 804 m hohen Fischerhübels in der obersten Mulde eines westlichen Seitentales der Teplfurche und ist gleich weit eine Stunde von Petschau, Schönfeld und Schlaggenwald entfernt.
Die Anlage folgte dem üblichen Siedlungsmuster: Die älteren, größeren Höfe bildeten zunächst auf der Höhe (700 m) den oberen Dorfrand; kleinere, aus Erbteilungen hervorgegangene Anwesen fanden schließlich talwärts ihren Platz. Zum Dorf zählten 342 ha Grund, 33 Häuser mit 182 Einwohnern. Der Ort gehörte zum Bezirk und zur Post Petschau, aber zum Kirchsprengel Schlaggenwald, auf dessen Friedhof auch die Toten ihre letzte Ruhe fanden. Mit Schönwehr und Wasserhäuseln bildete es zunächst eine politische Gemeinde, ehe es 1905 selbständig wurde.
In den Jahren 1906 bis 1909 erfolgte der Ausbau der Straße nach Petschau mit einem Kostenaufwand von 60.000 Kronen, wofür das kleine Dorf als drückende Last die Hälfte zu zahlen hatte. Etliche Jahre später waren 10.000 Kč für die Kanalisierung aufzubringen. Die einklassige Schule sollte 1926 wegen Baufälligkeit und zu geringer Kinderzahl aufgegeben werden. Wiederum nahmen die Bewohner, um ihren Kindern weite Schulwege zu ersparen, große finanzielle Opfer auf sich und bauten ein neues Schulhaus. Vor Kriegsbeginn 1939 bewältigte diese strebsame Gemeinde auch noch den Anschluß an die Stromversorgung.
Die Einwohner lebten von der Landwirtschaft oder arbeiteten in den nahen Städten in verschiedenen handwerklichen Berufen und vor allem im Hotelgewerbe in der Kurstadt Karlsbad, die über die Haltestelle Wasserhäuseln und den Bahnhof Schönwehr günstig zu erreichen war.
In Müllersgrün stand oberhalb des Dorfes an der Straße nach Rabensgrün eine Kapelle, am unteren Dorfplatz ein 1881 erneuerter Bildstock und daneben ein Gedenkstein für die Gefallenen des Weltkrieges von 1914 bis 1918, in dem der Ort mit mehr als 8% gefallenen Einwohnern an der Spitze aller umliegenden Gemeinden stand.
Im Zweiten Weltkrieg sind Breitfelder Franz, Breitfelder Werner, Bielohlawek Julius, Deinzer Ottomar, Fischer Anton, Geier Erich, Geier Josef, Harbauer Karl, Hohla Franz, Hubl Franz, Kropp Emil, Ott Franz Josef und Putz Ernst an der Front gefallen oder an den Folgen des Krieges verstorben.
Häuserverzeichnis von Müllersgrün mit Hausnummern, Besitzer (mit Hausnamen) – mit Ortsplan zusammengestellt von Kurt Geier –
1 Pöpperl Josef (Schåffå)
2 Schmelzer Hermann (Veit)
3 Hubl Franz (Schluäßn)
4 Ott Edeltrud (Håckå)
5 Ott Adolf (Fischå)
6 Breitfelder Hermann (Lou(n)gä)
7 Gemeindehaus (Gmoihaisl)
8 Unterstab Anton (Gråufn)
9 Köhler Ernst (Hessn)
10 Hohler Marie (Paitårå)
11 Ott Hermann (Hauåstä)
12 Stowasser Anton (Wå(n)gä)
13 Fischer Johann (Getz)
14 Jechimer Emma (Jechimå)
15 Harbauer Karl (Graichårå)
16 Breitfelder Karl (Michårådl)
17 Hubl Albin (Neibauä)
18 Bergler Josef (Zaiglä)
19 Schule (Geier Josef) (Lehrä)
20 Hubl Anton (Beckn)
21 Ehm Anton (Schoustä)
22 Löw Franz (Wewä)
23 Mally Johann (Malle)
24 Frank Ernst (Schneidägirch)
25 Schmelzer Anton (Mauårå)
26 Hochberger Anton (Grainårå)
27 Deinzer Willi (Deinzä)
28 Köhler Oswald (Pfaatuämä)
29 Kuttner Franz (Kuttnå)
30 Schlee Josef (Roåhårå)
31 Schmelzer Josef (Veit)
32 Bahnwärterhaus (Wachtähaisl)
33 Weidl Anton (Weidlschoustä)
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