Wenn ich dein vergesse, Jerusalem,
möge meine Rechte verdorren.
Möge meine Zunge am Gaumen haften,
wenn ich dein nicht gedenke.
Ps. 137, 5–6
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Höfen
Das Dorf Höfen liegt 2 km südlich von Elbogen und westlich des Zechtales auf einer 600 m hohen, offenen Flur, die sich südwärts über Nallesgrün bis vor Dreihäuser hinzieht.
Birken, Buchen, Erlen, Eschen, Fichten und Haselsträucher bedecken die Hänge rundum. In steilen Taleinschnitten führen kleine Bäche und holprige Wege zum Geiersbach, zur Eger und zum Flutbach hinab. Während noch auf der Höhe in der Schaffners-, Hof- und Bubenlohe und im „Kessel" abwechselnd Wald- und Wiesenstücke das Bild bestimmen, treten tiefer hinunter, besonders in der engen „Stoã(n)låuh", seitwärts des Weges mächtige, verwitterte Granitblöcke hervor. In dieser „hohlen Gasse" hätte sich niemand gewundert, Wilhelm Tell oder dem Freischütz leibhaftig zu begegnen.
Der Weg durch die Steinlohe bis Höfen, die Fahrstraße bis Dreihäuser und die Waldstraßen verbanden in drei Wegstunden die Kreisstadt Elbogen (394 m) mit der Stadt Lauterbach (800 m). Die Bewohner vieler Kaiserwaldorte begaben sich über den Höfener Berg in die Burgstadt an der Eger zum Einkaufen, zu den Handwerkern, zum Notar, Rechtsanwalt und zum Gericht, zur Kirche, zum Arzt und ins Krankenhaus. Täglich gingen Frauen und Mädchen mit ihren Buckelkörben mit Milch, Butter, Quark und Eiern in die Stadt, um auch, je nach der Jahreszeit, bestellte Hühner und Gänse, Obst und Beeren in die Bürgerhäuser zu bringen. Zweimal täglich mußte auch die Milchfrau aus Lauterbach durch Höfen, der Dr. A. Kempf in seiner „wirklich wahren" Erzählung „Das Lauterbacher Milchweib" ein bleibendes Denkmal setzte. Fast wäre es ihr letzter Gang gewesen, als sie an einem Hl. Abend mit ihrer schweren Last nach Elbogen ging, am Heimweg in Schnee, Kälte und Dunkelheit vor Erschöpfung in Dreihäuser nicht mehr weiter konnte und dort einen Sohn zur Welt brachte.
Wanderer aus Elbogen benützten den Weg über den Röhrsteg, die Steinlohe hinauf, um über Höfen in den Kaiserwald zum Krudum und zum Muckengrund zu gelangen.
Die „Stodãrã" gingen gerne hinaus, um sich am „einfachen Landleben" zu erfreuen. Und welcher Platz wäre besser geeignet gewesen, sich an die Zeilen aus dem „Osterspaziergang": „Ich höre schon des Dorfes Getümmel, hier ist des Volkes wahrer Himmel ..." zu erinnern, als hier oben am Ende der „Stoã(n)låuh" – das kleine Dorf vor Augen. Eine weite Fernsicht gegen das noch verschneite Erzgebirge, gegen die schon schneefreien Hänge des Ziegenrückens und den dunklen Wald der Krudumgipfel tat sich auf. Der Dorfteich, die Kapelle und reizvolle Fachwerkgiebel schufen eine bilderbuchhafte Kulisse eines Egerländer Dorffrühlings. Auch im Herbst zur Kirchweih zog das Dorf wieder viele Gäste an: die Milchkunden zu ihren Lieferanten und viel junges Volk zum Tanzen in die beiden Gasthäuser. Ob dann mehr das Bier oder ein allzu heftiger Werber „ümrä schäins Måidl" eine richtige Rauferei auslöste, tat der Kirwa indes keinen Abbruch – „döi wår schäi(n)!"
Die schönen Höfener Fachwerkhäuser ordnete der Volkskundler Josef Hofmann als seltene Reste der Blütezeit des Egerländer Stiles von 1800–1820 zu, die hier nicht, wie vielerorts üblich, einem falsch verstandenen, städtischer Architektur angepaßten Renovierungsbedürfnis geopfert wurden.
Heute steht davon in Höfen nichts mehr. Sonntags drehen sich die kleinen Betonmischer; tschechische Bewohner bauen auch hier aus den verfallenen Gebäuden ihr
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