Sudetendeutsche Tage
Als die Bewohner des Sudetenlandes aus ihrer Heimat vertrieben waren und im von Krieg und Not gezeichneten restlichen Deutschland ein dürftiges Unterkommen gefunden hatten, galt es zunächst, alle Kräfte für die Bemühungen einzusetzen, den Familien wieder ein Dach über dem Kopf, Nahrung und Kleidung zu beschaffen.
Dennoch wuchs auch in dieser schweren Zeit unter den weitverstreut lebenden Heimatvertriebenen das Verlangen, sich neu zusammenzufinden und wieder als geschlossene Gemeinschaft in der Öffentlichkeit aufzutreten.
Bekannte sudetendeutsche Politiker der ersten Stunde, wie Dr. Rudolf Lodgman von Auen, Dr. Ing. Hans-Christoph Seebohm, Dr.h.c. Wenzel Jaksch, Franz Böhm und andere bildeten die Exponenten dieser Bewegung, und die Gründung der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) mit ihren vielen Ortsgruppen und Einrichtungen war nur eine natürliche Folge dieser Entwicklung.
Wachsendes Selbstbewußtsein, fester Wille und die ungebrochene Liebe zur alten, unvergessenen Heimat im Sudetenland führten zur Verwirklichung des Vorhabens, einmal im Jahre, jeweils an Pfingsten, in einer der großen Städte im deutschsprachigen Raum zusammenzukommen, um vor aller Welt immer wieder die Mißachtung des Heimat- und Selbstbestimmungsrechtes auch der Vertriebenen aus dem Osten anzuprangern und das Gewissen der Öffentlichkeit wachzurütteln.
Der alljährliche Sudetendeutsche Tag bildet seitdem den Höhepunkt im Leben unserer Volksgruppe.
Diese große Veranstaltung bildet den Rahmen u.a. für die Verleihung des Europäischen Karlspreises und der Kultur- und Volkstumspreise der SL, die Feierstunde der Sudetendeutschen Jugend mit Schweigemarsch und Fackelzug, das feierliche Pontifikalamt im Freien, die eigentliche Großkundgebung mit zahlreichen farbenprächtigen Trachtengruppen und Fahnenabordnungen, ferner Volkstumsabende mit Vorführung von Tänzen und Trachten, Kunstausstellungen, Buchmessen, Film- und Musikdarbietungen, Konzerte, Diskussionen mit tschechischen und slowakischen Vertretern und vieles andere mehr.
Die Teilnehmer dieser Veranstaltungen, die in vielen Sonderzügen, mit Hunderten von Omnibussen und Tausenden von Pkw aus allen Teilen der Bundesrepublik und Österreichs sowie aus dem Ausland anreisen, nehmen Mühen und Kosten der oft weiten Fahrt auf sich, um auf den Kundgebungen den Rechtsanspruch auf ihre alte Heimat zu vertreten und mit festem Lebenswillen zu zeigen, daß sie sich mit dem großen Unrecht der Enteignung und der zwangsweisen Aussiedlung nicht abfinden werden. Sie ließen sich auch von scharfen Protesten der ČSSR, von Flugblattaktionen, den üblichen Beschimpfungen ihrer Pfingsttreffen als „Zusammenrottungen" und anderen Drohungen nicht abhalten.
Der Sudetendeutsche Tag bietet auch die willkommene Gelegenheit, im kleinen Kreis Landsleute aus der engeren Heimat wiederzusehen, wenn auch die Geselligkeit bei solchen großen Treffen – leider – etwas zu kurz kommt.
Wenn nach mehreren Jahrzehnten nach der Vertreibung noch immer Zehntausende aus der sudetendeutschen Volksgruppe zu dieser Veranstaltung zusammenströmen, so handelt es sich um ein für die Welt einzigartiges und unfaßbares Phänomen: Eine vertriebene Volksgruppe von Deutschen bekennt sich zu sich selbst und zu ihren Idealen, zu ihrer alten Heimat!
Menschen aller gesellschaftlichen Schichten und jeden Alters vereinigen sich geschlossen zu einer Willenskundgebung. Kein „Tag der Arbeit", keine anderen Feiertage,
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