Rekrutierung und Militärdienst (1918–1938)
Waren aus den ungebärdigen „Gåssnboum" fesche und stramme Burschen geworden, die bereits ihre Lehre hinter sich gebracht hatten, dann kam unweigerlich die Zeit der Musterung zum Militärdienst.
Diese Feststellung der Tauglichkeit nannte man „Assentierung".
„Öitzä möin sä zän M(i)litär", hieß es. „Schule der Nation" und „Barras" sagte man erst später.
Nach der k.u.k. Monarchie blieb für unsere jungen Männer die Dienstleistung bei der Armee des tschechischen Staates (ČSR) auch als Deutsche weiterhin staatsbürgerliche Pflicht, der sie stets treu und brav nachkamen; es gab keine Deserteure.
So wurden am Ende der tschechischen Regierungszeit im Jahre 1938 die Geburtsjahrgänge 1917/18 dieser Eignungsuntersuchung unterzogen. Zu den vorwiegend im März in Elbogen angeordneten Assentierungen luden die Militärbehörden jeweils bis zu drei Jahrgänge hintereinander vor. Bei der Auswahl der tauglichen Kontingente war es gängige Praxis, vorrangig und ausschöpfend den Angehörigen der letzten Musterungsklasse, also aus dem ältesten Jahrgang, den Tauglichkeitsgrad zuzuerkennen. Teilnehmer aus den Klassen 1 und 2 – die jüngeren Jahrgänge – mit dem Prädikat „Tauglich" gab es seltener.
Der Ablauf der Musterung war für die jungen Männer ein besonderes Ereignis, deren Ergebnis man mit Spannung erwartete, galt es doch seinerzeit für manche als wenig ehrenhaft, die Tauglichkeit nicht zu erlangen. Ein gewisser Stolz erfüllte daher die Militäranwärter, wenn sie das kleine Blechschild „Tauglich" tragen durften und mit dem großen Rekrutenstrauß an der Brust dekoriert wurden. Und die Aussicht auf den Militärdienst, zumal in Friedenszeiten?
Man reagierte gelassen, gab sich loyal, der Einberufungsbefehl lag noch in weiter Ferne, und an Krieg mochte ohnehin niemand denken. Keiner ahnte damals, wie rasch in der Folgezeit politische Geschehnisse in das persönliche Geschick jedes einzelnen eingreifen und viel menschliches Elend mit sich bringen sollten!
Nach dieser ersten militärischen Prozedur zogen die Rekruten vom Musterungsort Elbogen durch das Zechtal, oft mit Ziehharmonikamusik und Gesang in mehrere Gasthäuser einkehrend, über die Neustadt ein, wo ihnen eine große Schar neugieriger Kinder folgte.
Eine Gruppe kehrte schon bei der „Müllerin" am Marktplatz, die andere im Gasthaus „Stadt Wien" an der Hauptstraße ein, um die Assentierung feucht-fröhlich und gebührend zu feiern. Höhepunkt dieses Geschehens war das „Rekruten-Kränzchen", bei dem die Jugend eifrig das Tanzbein schwang und das Abschiednehmen so mancher lieben Braut von ihrem „tauglichen" Liebsten langsam spürbar wurde.
Die Einberufung zum Militärdienst erfolgte zum 1. Oktober, denn bereits am 28.10. mußten die jungen Soldaten zum Gründungstag der Republik paradieren. Für viele Gemusterte gab es eine arge Überraschung, weil sie ihren Dienst fernab der Heimat, meistens in Mähren oder in der Slowakei, zu leisten hatten. Diese Methode zielte darauf ab, den Rekruten aus dem deutschsprachigen Raum eine politische und militärische Isolierung aufzuerlegen; den Slowaken erging es als Minderheit ebenso. Die Behandlung und die Beförderungen wurden von den militärischen Stellen im allgemeinen korrekt und leistungsbezogen vorgenommen.
Als im September 1938 bei der Mobilmachung der tschechischen Armee die Gestellungsbefehle an wehrpflichtige Sudetendeutsche ergingen, um gegen den bevorstehenden
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