Der Freitag, aus Tradition fleischlos, sah dafür einen besonderen Leckerbissen vor: „Bāchānā Kniālā"¹⁹⁾ oder „Puffā" mit Preiselbeeren, in Milch angemacht. Diese Köstlichkeiten mundeten am besten, wenn sie ganz frisch, heiß und „resch" aus der Pfanne kamen. Wie oft haben wir sie, noch halb teigig, der Mutter aus der Pfanne stibitzt! In der Küche herrschte um den Ofen „ā Pfaahitz"²⁰⁾. Um ein scharfes Feuer zu erreichen, verschürte die Köchin dürres Reisig; dafür mußte sie sich bei dieser Arbeit am Herd öfter mit dem Schürzenzipfel über das erhitzte Gesicht wischen. Als Vorspeise diente eine Grieß-, Graupen-, Reis- oder nur eine Wassersuppe. Letztere schmeckte mit einigen Zehen Knoblauch, braunen Zwieberln, Salz, Brotrindeln und etwas geriebener Muskatnuß vorzüglich.
„Goun Åppātit!"
Gerne aß man auch „Semmlwawā (eigschnienā Semml)"²¹⁾. Für „Liwanzn" und „Napplgetzla"²²⁾ benötigte die Hausfrau besondere Pfannen.
Wenn es in der Sicherloh schon grünte und blühte, haben fleißige Frauen oft am Vorabend „ā Māsch" (Tuchtasche) voll Ochsenzungen oder Taubenkröpfln²³⁾ heimgetragen und sich dabei im sumpfigen Gelände nasse Füße geholt. Dann gab es am Freitag Spinat „von der Wiese" mit Ochsenaugen (Spiegeleiern) und Salzkartoffeln und bei mancher Köchin einen gehörigen Schnupfen.
Auch Rapunzel und Brunnenkresse wurden als Wildsalate gerne gesammelt. Als Nachtmahl waren Streichkäse oder Ölsardinen mit Brot stets willkommen.
Am Samstag stand dann oft der berühmt-berüchtigte Standardeintopf auf dem Speiseplan: „Eādeppl-in-dā-Bröih"²⁴⁾. Eine Zugabe von „gelben" Rüben (Karotten) veränderte den Geschmack. Mit Lammfleisch zubereitet, kam das Gericht höllisch heiß auf den Tisch und hieß deshalb „Wöitichā Hund" (Wütende Hunde).
„Eādepplbrei" mit brauner Butter und Zwieberln, kombiniert mit „Karwānadln" oder „Knåckā"²⁵⁾, ergab ein weiteres Gericht. Bekam man vom Fleischer noch ein „Gschling" (Leber, Lunge), so ließ sich zum Ausklang der Arbeitswoche auch mal was Saures herstellen. Auch ein „Gschtåndns" (Fleischsülze) mit Pellkartoffeln war als Abendgericht nicht zu verachten.
An Feiertagen, zu besonderen Anlässen und Zeiten kamen andere Leckerbissen auf die Tafel:
Der Fasching verwöhnte uns mit goldbraunen, gefüllten Krapfen, Ostern lockte mit feinen Laiben, der Sommer verhieß Kirschen-, Marillen- und „Zwatschich"-Kniālā²⁶⁾ mit Butter, Semmelbrösel, Zucker und Zimt; im Herbst freuten wir uns auf den Apfelstrudel und erst recht an Kirchweih, wenn die Hausfrauen die runden Kuchen, groß wie mittlere Wagenräder, belegt mit Mohn, Quark, Streusel und Zwetschgen, vom Bäcker backen ließen.
Da läuft einem heute noch das Wasser im Munde zusammen!
An Geburts-, manchmal auch an Namenstagen standen auch bei uns Torte, aber auch Biskuitrolle und Guglhupf auf dem Tisch.
Im Winter röstete man dünne Brotscheiben auf der heißen Ofenplatte, rieb sie mit Knoblauch ein, bestrich sie mit Griebenschmalz und streute Majoran und Salz darauf. Diese einfache, aber leckere „Brotzeit" hieß „Baaschnietz".
Am Heiligen Abend wurde eine Fischsuppe aufgetragen: aufgekocht mit den Innereien vom Fisch, viel Wurzelgemüse zugefügt, durchpassiert, mit leichter Buttereinbrenne und einem Eidotter legiert, abgeschmeckt und mit gerösteten Semmelwürfeln serviert. Danach folgte der gebackene Karpfen mit delikatem Kartoffelsalat.
Der Brauch sagte, daß am Heiligen Abend siebenerlei Speisen am Tisch stehen sollten. Diese Zahl ließ sich leicht mit anderen Salaten, z.B. Sellerie, roten Rüben und mit Kompott
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