Als Gemüse fanden vornehmlich gelbe Rüben (Karotten), Gurken, Karfiol (Blumenkohl), Kohlrabi, Kopfsalat, Porree (Lauch), Rhabarber, Rettiche, rote Rüben (rote Beete), Sellerie und Spinat, an Gewürzkräutern häufig Dill, Knoblauch, Petersilie und „Wettälä" (Schnittlauch) Verwendung, wobei der Bedarf sich nur teilweise aus den meist kleinen Nutzgärten decken ließ. Das unentbehrliche, im Herbst selbsteingehobelte Sauerkraut aus dem Holzfaß, roh oder gekocht serviert, lieferte dann im Winter die notwendigen Vitamine, und eingelegte Gurken aus den hohen Gläsern erfreuten als herzhafte Beilage. Als Kompott dienten eingemachtes Kern- und Steinobst, Johannis- und Stachelbeeren sowie von der Familie gesammelte, manchmal auch von fahrenden Händlern dazugekaufte „Schwarz- u Graslzbeer⁶⁾", Himbeeren und Vogelbeeren, wie überhaupt die Nutzung von Pflanzen und Früchten aus Feld und Wald einen vordersten Platz einnahm. Südfrüchte, von Orangen und Zitronen abgesehen, waren in den Geschäften nur selten erhältlich und auch kaum erschwinglich.
An Getränken bereitete man sich zum Frühstück und auch nachmittags vor allem den beliebten Malzkaffee mit Zichorie (Feigenzusatz), schwarzen und Kräutertee oder Milch. Tafelwasser gab es als „Gießhübler Sauerbrunn". Erfrischende Limonaden ließen sich im Sommer preiswert aus Natron und Weinsteinsäure herstellen, angereichert mit Himbeersaft. Bier holten wir Kinder dem Vater offen ausgeschenkt im Glas (Naschen unterwegs rief mißbilligendes Stirnrunzeln hervor); Flaschenbier war in den Haushalten selten vorrätig. Wein, außer aus den Früchten der Hagebutte und Schlehe oder aus Holunderblüten selbst angesetzt, stand kaum auf der häuslichen „Getränkekarte".
Insgesamt gesehen, stellte unsere bürgerliche Küche gute und solide Hausmannskost bereit. Sie kam ohne die Extravaganzen der feinen Küche von heute aus. Aus der Vielzahl schmackhafter Gerichte ließ sich durchaus eine interessante und abwechslungsreiche Speisenfolge zusammenstellen, aus der sich Wiederholungen nur zufällig oder gewollt ergaben. Manche Rezepte erweisen sich heute noch als ausgesprochene Spezialitäten, die selbst eingefleischte Feinschmecker zufriedenstellen können.
Auf dem Dorf gab es einfacheres, kräftiges Essen, wobei die Bäuerin in vermehrtem Umfang auf die selbsterzeugten Nahrungsmittel des eigenen Hofes zurückgriff.
Bei den zeitlichen Essensgewohnheiten fiel das Frühstück an Werktagen mit Malz- und Milchkaffee, Brot mit verschiedenen Marmeladen, auch „Hätschäpätsch" (Hagebuttenkonfitüre), oder mit eingebrocktem Brot recht bescheiden aus. Am Samstag ergänzten Semmeln, am Sonntag vielleicht ein Stück Mohnstrudel das Angebot. Das Hauptgewicht aber lag eindeutig auf einem warmen Mittagessen, auf das niemand gern verzichtete. Nicht umsonst brachten emsige „Essntrochäweiwä" (Essenträgerinnen) fertiggekochte Speisen, warm verpackt, vom heimischen Herd bis in die Fabrik. Kaffeetrinken auch am Nachmittag war in manchen Familien üblich. Dem Abendessen kam eher untergeordnete Bedeutung zu.
Nahrungsmittel, Speisen und Reste fanden in der „Ålmät" Aufnahme, einem besonderen Speisenschrank aus Holz, der an einem trockenen, kühlen und luftigen Platz im Hausflur stand. Auch die kalten Steinstufen der Kellertreppe ersetzten den damals noch unbekannten Kühlschrank. Milch und andere leichtverderbliche Produkte ließen sich dort einige Zeit lagern.
Die Küchengeräte, einfach und zweckmäßig gebaut, besaßen mechanischen Kurbelantrieb, so der Fleischwolf, die Bröselmaschine, Kaffee- und Schrotmühle. Kochen erforderte zur damaligen Zeit noch mehr Handarbeit; Schlagen von Eiweiß und Abtreiben von Hefeteig waren anstrengende Tätigkeiten, und die Hausfrauen standen auch länger am Herd. Elektrische Küchenhilfen gab es noch nicht auf dem Markt. Trotzdem waren die
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