Da gab es einmal ...
so bis Mitte des 20. Jhs., genau weiß man es nicht mehr, zwischen dem Erzgebirge im Norden und dem Böhmerwald im Westen, mitten im Egerland eine kleine Bergstadt, die in früherer Zeit durch Schürfen nach Zinnerz und seine Verarbeitung weit bekannt, später durch die Herstellung von kostbarem Porzellan sogar in der weiten Welt berühmt wurde: Schlaggenwald.
Als die Bewohner ihre Heimat am Rande des Kaiserwaldes verlassen mußten und in alle Winde zerstreut wurden, nahmen sie neben der geringen Habe etwas Wertvolles mit, nämlich ihre eigene Mundart.
So könnte vielleicht einmal die Geschichte schreiben.
Und noch immer, jeden Tag und überall, gebrauchen wir, oft unbewußt und manchmal unbemerkt, Ausdrücke von daheim. Wir halten erstaunt inne und schmunzeln: „Dees is jå wiedä suä ä Wuät vä Schlåggäwål." Vernehmen wir dann von irgendwoher solche vertrauten Laute, dann kommt die Erinnerung: „Nu suä woos, döi riän jå wöi bä uns dåham." Und erst recht freut sich jeder von uns, wenn er bei Heimattreffen wieder so richtig reden kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
„Schlåggäwålärisch": Keine unbekannte Fremdsprache, sondern die typische Mundartform der Bewohner dieser Stadt, einer Art „Sprachinsel", unzweifelhaft dem Egerländerischen, im weiteren Sinn dem Sprachgebiet des „Nordbairischen" zugehörig, aber von ihnen trotz mancher Gemeinsamkeiten wieder verschieden, nicht böhmischen Ursprungs, sondern fränkisch-oberpfälzer Herkunft und besonders dem Nürnberger Idiom sehr verwandt. Vor allem aus diesen Gebieten haben im Mittelalter einwandernde Bauern, Handwerker, Kauf- und natürlich Bergleute ihre angestammte Sprache mitgebracht, wo sie sich, wenig beeinflußt von äußeren Ereignissen, über Jahrhunderte hinweg gut erhalten hat, wenn auch in manchen Vokabeln slawische oder romanische Spuren erkennbar sind.
Die Grenzen mundartlicher Eigenheiten verliefen landauf, landab fließend. So wechselten auch in unserem Nahbereich, etwa zwischen Stadt und Dorf, manchmal schon auf geringe Entfernung, Vokale und ihre Verbindungen, veränderten sich Ausdruck und Wortwahl.
So heißen z.B.
die Wörter — auf „Schlåggäwålärisch" — auf „Echälandrisch"
Gemeinde — Gmaa — Gmoi
hinauf — nauf — affe
hinunter — nuntä — owe
Kleider — Klaalä — Kloi(d)lä
Mädchen — Maa(d)lä — Moi(d)lä
Schule — School — Schöll
Seife — Safm — Soifm
Stein — Schtaa — Schtoi
und, da wir für „Beine" nicht „Boi(n)", sondern „Baa" sagten, ergab sich aus der Umgebung der hänselnde Ausdruck für uns Schlaggenwalder: „d'Baasoochä" (Beine-Sager).
Solche Varianten gaben indes keinen Anlaß, die gegenseitige Verständigung zu behindern.
In unserer Mundart klingen Worte und Sätze vokalreich, und häufig finden sich treffende Redewendungen und Sprichwörter. Dabei erreicht der Wortschatz beachtlichen Umfang und der Formenreichtum einen hohen Grad.
Erlernen und Üben einer Sprache sind untrennbar mit ihrem Hören verbunden. Daher ist die Darstellung mundartlicher Ausdrücke in einer besonderen Lautschrift unab-
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
