Stadtbücherei, Museum
Mit der Auflösung des Lesevereins erlosch keinesfalls das Interesse der Bürger am Lesen. Hinzu kam, daß die Gemeinden nach dem staatlichen Büchereigesetz vom 22.7.1919 gehalten waren, „zur Ergänzung und Vertiefung der Bildung aller Schichten der Bevölkerung öffentliche Büchereien mit bildendem, belehrendem und unterhaltendem Lesestoff von wirklichem inneren Wert" zu errichten. Die Stadt stellte für die Bücherei Räume im Rathaus bereit. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte sie beträchtlich erweitert werden. Die Bücherei verfügte über ein breitgefächertes Angebot und war durchaus in der Lage, anspruchsvollere Leserwünsche zu erfüllen. Als weitere Bildungseinrichtungen standen die Pfarrbibliothek und Vereinsbüchereien, z.B. bis 1938 eine reichhaltige Bibliothek im Konsumgebäude, zur Verfügung.
Den Aufzeichnungen ist zu entnehmen, daß im Jahre 1925 das Stadtmuseum, das zunächst in völlig unzureichender Weise im Amthaus untergebracht war, in die Räumlichkeiten der aufgelassenen Gaststätte im Rathaus verlegt wurde. Die Ausstellungsstücke beweisen, daß schon seit geraumer Zeit mit Umsicht museale Gegenstände gesammelt wurden. Als Zeugnisse der Vergangenheit waren u.a. vorhanden:
Grabplatten aus Bronze für Honoratioren,
Fahnen mit den Symbolen der im Ort vertretenen Zünfte,
80 Ölgemälde, von heimischen und anderen Egerländer Künstlern geschaffen,
Truhen und Schränke aus Holz mit reichen Verzierungen,
Holzfiguren aus heimischen Werkstätten von der Gotik bis zur Neuzeit,
eine Sammlung von Mineralien, die am Ort und in seiner Umgebung gefunden worden sind,
Gerätschaften, die im Erzbergbau Verwendung fanden,
Gegenstände und Figuren aus Zinn, die in heimischen Werkstätten gefertigt wurden,
Erzeugnisse der Porzellanfabriken und -manufakturen,
Waffensammlung,
Gedenkbücher, Pergamente usw.
sowie ein Archiv mit etwa 400 Faszikeln (frühere Bezeichnung für Aktenbündel), 60.000 Akten und 109 Ratsprotokollen; für Forscher und Geschichtsschreiber eine schier unerschöpfliche Quelle.
[obr] Gruß aus Schlaggenwald, Böhmen
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