Der Kindergarten
Da der größere Teil der Bürger berufstätig war und für die Erziehung der Kinder „nicht genügend Zeit und Aufmerksamkeit" blieben, beschloß die Gemeindevertretung die Gründung eines Kindergartens. Als Räumlichkeiten dienten im Nebengebäude des Amthauses zwei Schulzimmer und Wohnungen für die Kindergärtnerin Helene Kölbl und die Wärterin Frau Troll. Die Leitung übernahm unentgeltlich Bürgerschuldirektor Nagel.
Am 1. Oktober 1880 wurde der Kindergarten eröffnet. Von 52 Kindern stieg die Zahl bald auf 60 und 70 an.
Auf Antrag von Direktor Nagel erhöhte der Ortsschulrat das Gehalt der Kindergärtnerinnen von 260 auf 300 Gulden jährlich bei freier Wohnung und Heizung. Zur Deckung der Mehrausgaben erhob man jährlich ein „Schulgeld" von einem Gulden 56 Kreuzer. Unbemittelte Eltern waren davon befreit. Dieser Kindergarten wurde nach einigen Jahren wieder aufgelassen.
Im Jahre 1928 schenkte der pensionierte Dekan Emanuel Hoyer sein Haus in der Neustadt dem Caritasverband mit der Auflage, einen Kindergarten zu errichten. In den Jahren 1930/31 führte man dieses Vorhaben aus: ein einstöckiges, geräumiges Haus mit Spielzimmer, Nebenräumen und einer Wohnung für die Kindergärtnerin. Der große Garten mit Sandspielplatz reichte bis an den Galgenberg. Die übrigen Räume wurden vermietet. Als Träger traten die Caritas und die Gemeinde auf.
Der Kindergärtnerin Frau Anni Brieten folgte 1935 Margarete Gelhof, von allen Kindern liebevoll „Tante Gretl" genannt. Sie leitete den Kindergarten bis zum Jahre 1945.
In dem etwas kleinen Tagesraum fehlte es anfangs an Beschäftigungsmaterial. Deshalb schrieb Bürgerschuldirektor Rudolf Prosch einige Firmen an. So verfügte man bald über kindergerechte kleine Scheren, viel Pappe und Papier sowie über Buntstifte. Die Firma Haas & Čžjžek spendete Tassen und Teller.
Die Kinder beteiligten sich bei Aufführungen zum Muttertag, zum Nikolausfest und bei Sommerfesten. Eine Aufführung des Märchenspiels „Schneeweißchen und Rosenrot" im Saal „Zum Roten Ochsen" unterbrachen tschechische Behörden in Elbogen, weil man erst die schriftlichen Unterlagen überprüfen mußte. Welches Mißtrauen gegen einen harmlosen Kindergarten!
In den Jahren 1938/39 übernahm die NSV (Nationalsozialistische Volksfürsorge) mit Sitz in Falkenau die Leitung und verfügte die Verlegung des Kindergartens in das erste Stockwerk, während die unteren Räume der neuen Einrichtung „Mutter und Kind" zur Verfügung standen, die unser „Stadtarzt" Dr. Müller zu betreuen hatte.
Beim Umbau wurden der Tages- und Spielraum vergrößert, der Waschraum mit kindergerechten Waschbecken und Duschen sowie kleinen Klos ausgestattet.
Vom Flur kam man über eine kleine, aber sehr stabile Brücke in den terrassenförmig angelegten Garten. Dort spendeten an heißen Tagen viele Obstbäume reichlich Schatten. Auch der große Sandkasten wurde fleißig genutzt. Es standen ja genügend Spielsachen, wie Eimerchen, Schaufeln und Förmchen, zur Verfügung.
Der Schlaggenwalder Kindergarten wurde als Praxiskindergarten geführt. Im Wechsel kamen Schülerinnen vom Seminar und der Frauenfachschule in Karlsbad, um hier ihr Praktikum abzulegen.
Der Krieg, der immer mehr Wunden in die Familien schlug, warf auch seinen Schatten auf die Arbeit im Kindergarten.
Im Mai 1945 wurde auch er geschlossen.
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