Wenn es in der Stadt brannte, schlug er rasch hintereinander die große Stundenglocke an. War das Feuer in der Umgebung zu sehen, nannte er den Ort oder gab die Richtung an. Anschließend läutete er die Elferglocke.
So wachte der Türmer als „höchster Bürger" der Stadt über das Wohl seiner Mitmenschen.
Bei stürmischem Wetter war er den Schwingungen und dem Schwanken des Turmes ausgesetzt und mußte oft zusehen, wie das Wasser aus den Eimern und die Suppe aus den Tellern schwappte.
Die St. Annakirche (Spitalkirche)
Die Gründung einer St. Annakapelle reicht weit in das Mittelalter zurück (um 1200 n.Chr.). Diese Kapelle, wahrscheinlich die erste kirchliche Einrichtung im Ortsbereich, stand, von einem kleinen Friedhof umgeben, auf der Anhöhe in der Seifahrtsgrün, wo sich eine alte Siedlung befand. Der Name „St. Annagasse" erinnert daran; Spuren der Kapelle ließen sich noch im Hause Nr. 451 nachweisen.
Als der Bergbau aufblühte, reichte sie für die anwachsende Bevölkerung nicht mehr aus. So wurden Kapelle und Friedhof im Laufe der Zeit aufgelassen. Als Nachfolgerin entstand, wie schon der Name besagt, die St. Annakirche in der späteren Neustadt. Die Glocken der alten Kapelle fanden nachweislich im Jahre 1542 im Turm der neuen Kirche ihren Platz.
Täglich läutete hier eine Glocke um drei Uhr früh zum Wecken der Bergleute und um vier Uhr als Zeichen zum Einfahren in die Gruben. Um 12 Uhr läutete sie zum Schichtwechsel und zur Ausfahrt.
Johann Pflug von Rabenstein wollte, daß auch in der St. Annakirche Messen gelesen werden. Er setzte sich beim Stadtpfarrer Tuschner und beim Rat hartnäckig dafür ein und erreichte, daß der Prior des Predigerordens in Eger zwei seiner Brüder zur Verfügung stellte. Der eine mußte als Bruder der Knappschaft, die jährlich mit 20 Dukaten für ihn aufkam, in der Woche fünf Messen lesen. Der andere ebenfalls fünf, die nach dem Stifter „Niklas-Häßler-Messen" genannt wurden.
Das Kirchengebäude ist im Barockstil erbaut, besitzt runde Fensterbogen, dazwischen gerade Säulenköpfe. Die Decke ist flachgewölbt. Ein mehrfach gewölbter Bogen schließt das Schiff vom Altarraum ab. Es ist in ein Hauptschiff und zwei Seitenschiffe gegliedert, die durch Holzsäulen angedeutet sind. Diese tragen auch die beiden Emporen und den Chorbereich mit der Orgel.
Im Jahre 1586 wurde das erste „Lazareth" Schlaggenwalds, das an der Rückwand des Pfarrhauses angebracht war, abgerissen und als Bürgerspital bei der St. Annakirche neu errichtet. Daher der Name Spitalkirche.
Am 4. Mai 1713 brannte das aus Holz errichtete Bürgerspital mit der St. Annakirche und 76 Bürgerhäusern nieder.
Die Spitalkirche wurde in den Jahren 1720 bis 1728 auf dem alten Bauwerk wieder aufgebaut. Nur die Decken, das Dachwerk und die Innenausstattung wurden erneuert (1726–1780). Sie erhielt dieselbe Form, nur wurden einige alte Fenster durch solche mit Glasmalerei ersetzt. Die sechseckigen Glasscheiben sind miteinander durch Bleistreifen verbunden. Als Butzenscheiben kannte man sie schon zur Zeit des 30jährigen Krieges. Nachdem die Schweden in Schlaggenwald gehaust hatten, erhielt sich bis heute das Verschen:
D'Schwedn san kummä, håm ålls mitgnummä,
håm d'Fenstä neischlogn, 's Blei dävuätrogn,
håm Kugln draus gossn und d'Leit däschossn.
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