1909: Lederfabrikant Roßmeissl ließ eine Dampfkraftanlage bauen, die auch zur Erzeugung von elektrischem Strom diente.
Von 1914–1918 dauerte der Erste Weltkrieg, der tiefes Leid über die Menschen brachte. Die Bürger der Stadt beklagten 154 Gefallene.
Ab 1915 wurde unter militärischer Aufsicht wieder Zinn und Wolfram abgebaut, in der Knabenschule zeitweise ein Kriegslazarett eingerichtet.
Im Bergbau setzte man ab 1916 Kriegsgefangene ein.
Nach 1890 und 1905 gab es 1915 wiederum Hochwasser in der Pinge. Diesmal stand das Schützenhaus fast halb unter Wasser.
1917 trat Amerika in den Krieg ein. Rußland beendete nach der Revolution die Kampfhandlungen.
Die Hungerblockade der Kriegsgegner zermürbte die Zivilbevölkerung. Im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg fehlten wirkungsvolle Maßnahmen zur Versorgung der Bevölkerung. Um die Gegensätze im Lande zu verdeutlichen: Unterernährte Kinder aus unserer Heimat mußten zur Erholung nach Ungarn geschickt werden.
Im letzten Kriegsjahr wuchs die Hungersnot weiter an. Viele Menschen fanden auch bei uns durch Ödeme und Grippe den Tod.
Um die ausweglose Lage zu beenden, bat die Wiener Regierung um Waffenstillstand, der am 3.11.1918 in Kraft trat.
Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn stand während des Krieges zunehmend unter dem Druck nationaler Bewegungen. So fielen tschechische Nationalisten von der Monarchie ab und kämpften in Legionseinheiten gegen die Mittelmächte. In Pittsburg schlossen Exiltschechen und -slowaken im Mai 1918 einen Vertrag über eine künftige staatliche Zusammenarbeit. Sie bildeten in Paris eine Exilregierung. Am 28.10.1918 riefen sie in Prag einen eigenen Staat aus, die Tschechoslowakei (ČSR). Die sudetendeutschen Abgeordneten des Österreichischen Reichsrates beschlossen am 20.10.1918 in Wien die Schaffung der Provinzen Deutschböhmen und Sudetenland und stellten sie unter den Schutz der neugegründeten Deutschösterreichischen Republik. Die Beschlüsse wurden von der Friedenskonferenz aber nicht anerkannt.
Einen weiteren Versuch, die Gestaltung des neuen Staates zu beeinflussen, unternahmen der Kanzler von Österreich und Vertreter aller größeren Parteien. Sie trugen bei der Friedenskonferenz in St. Germain u.a. ihre Bedenken vor, die Deutschen gegen ihren erklärten Willen in diesen Staat hineinzuzwingen. Die Siegermächte glaubten jedoch der Versprechung eines Dr. Benesch, daß es die Absicht der Regierung sei, „die Organisation des Staates so zu gestalten, daß die staatsbürgerlichen Rechte auf den Prinzipien der Schweizer Konstitution basiert werden, also aus der Tschechoslowakei eine Art Schweiz ... zu machen".
Dieses Versprechen wurde niemals eingelöst. Die wesentlichen Kennzeichen der Schweizer Konstitution, nämlich die Gleichberechtigung und volle Teilhaberschaft von vier Nationen in einem gemischtnationalen Staat, fand in der tschechoslowakischen Verfassung, die man 3.200.000 Sudeten-Österreichern, 700.000 Ungarn, 100.000 Polen u.a.m. aufzwang, keine Parallele.
Unser Heimatort gehörte also von 1918–1938 zur Tschechoslowakischen Republik. Die Einwohner erhielten per Verwaltungsakt eine neue Staatsbürgerschaft.
1918/19 bildeten Kriegsheimkehrer in Schlaggenwald wie andernorts einen Soldatenrat, dem u.a. die Aufrechterhaltung der Ordnung oblag. Es gab Überlegungen, Protestaktionen durchzuführen. Schließlich rückte man davon wieder ab.
Die Stadt zählte seinerzeit 3.305 Einwohner (davon 39 Tschechen). Bei den staatlichen
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