Über die Jagd
Das Jagdrevier umfaßte 350 Hektar Wald und 800 ha Feld; seine Grenzen deckten sich mit denen des Schlaggenwalder Katasters. Es reichte im Norden bis zur Nallesgrüner Bahnbrücke, im Süden bis zum Sackdamm, vom Jessl-Kreuz im Westen bis zum Galgen im Osten.
Felder, Wald und Wiesen, Bäche und Teiche bildeten einen vielseitigen Lebensraum. Die langen Waldränder entlang der eingeschlossenen Wiesengrundstücke (Ottowiese, Seifen, Alisteich, Wolfshof u.a.) und die einzelnen Wäldchen boten vor allem dem Rehwild Schutz und ein günstiges Nahrungsangebot.
Die Jagd war an ortsansässige Bürger, welche die „Jagdgenossenschaft Schlaggenwald" bildeten, verpachtet. Einige Jahre – und das galt als Ausnahme – war Franz Pohl alleiniger Pächter. Zu dieser langjährigen Jagdgesellschaft gehörten der Jagd-Oberpächter Hermann Völkl und – zu verschiedenen Zeiten – die Mitglieder Josef Dörfl, Heger, Alois Floth, Josef Franz, Alois und Wenzl Gareis, Alfred, Josef und Rudolf Koch, Gustav Keylwerth, Josef Krautzberger, Ernst Neidhart, Förster, Oswald Neidhart, Luis Paul, Josef Prasse, Rudolf Prosch, Anton Rubesch, Eugen Roth, Moritz Stark, Josef Steidl, Josef Streitenberger und Rudolf Völkl. Die Vereinigung bestand aus 13 Mitgliedern. Eine Neuaufnahme war nur möglich, wenn ein Mitglied ausschied. Jagdgästen war eine Teilnahme gestattet. Das jährliche Pachtgeld betrug von 1918 bis 1938 1600 Kronen und ging an die Stadtkasse. Moritz Stark regelte die finanziellen Angelegenheiten. Erlegtes Wild war zu melden und der jeweilige Preis in die gemeinsame Kasse zu entrichten. Die Differenz aus den Abschußeinnahmen und dem Pachtpreis mußten die Mitglieder anteilmäßig aufbringen. Alois Gareis erhielt die geschossenen Rehe zum Ausschlachten. Er teilte das Wild in Stücke, und die Mitglieder erhielten nach einer Liste reihum einen Vorder- oder Hinterschlegel oder ein Rückenstück. Da es damals keine Kühltruhen gab, mußte so verfahren werden.
Im gesamten Revier erlegte man im Jahr ungefähr 15–20 Rehe, etwa 15 Fasane, 100 Rebhühner, vereinzelt auch Auerwild im angrenzenden Nallesgrüner Revier, das Jäger aus Schlaggenwald einige Jahre teilweise bis zur Nallesgrüner Straße bejagten.
Die Ansichten über den zweckmäßigen Abschuß, ob der Wildhege oder der Trophäenjagd der Vorzug zu geben sei, gingen auch damals schon auseinander. Moritz Stark setzte sich mehr für den Abschuß der Böcke ein und schonte dafür lieber die Geißen.
Alle Jäger jedoch betreuten gewissenhaft das Wild in den Notzeiten des Winters. In den Revierteilen auf der Spitz, im Silberbach, am Wolfshof, am Hammerrang, im Seifen, am Hasenbusch, Schippl, Steinernes Brückl, Langer Hau, Harfen, Hisserling, Beckenmatzen und Kohlinger Steig standen Futterhütten. Die Jagdberechtigten füllten sie im Winter mit Kleeheu, die Futterschütten für Fasane und Rebhühner mit Körnern und stellten Salzlecken auf. Das Wort „Ohne Hege keine Jagd" nahmen die Jäger ernst, um ihren Wildbestand zu erhalten und als Lohn der Hege einen reifen Bock mit starken Trophäen zum Abschuß zu bekommen. Die Jagd sahen sie als „edlen Sport und gesunde Lebenswürze" an (Prasse); sie bereitete Freude, schuf Verbundenheit mit der Natur, führte Gleichgesinnte im gesellschaftlichen Bereich zueinander und bedeutete doch vor allem die Lust am Erjagen und Erbeuten.
Im zeitigen Frühjahr ging's los. Schon im April begann die Birkhahnjagd. Im Mai folgte der „Anstand auf den Bock". Die Kirchweih eröffnete dann die Feldjagd auf Hasen und Rebhühner, die man in mehreren Gruppen durchführte. So streifte eine meist Samstag/Sonntag in Richtung Rabensgrün, eine weitere zum Wolfshof, wieder eine andere zum Florian und Lergischberg. Treibjagden in den einzelnen Waldabschnitten beendeten im
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