Der Wald
Die Stadt besaß 350 Hektar Wald. Seine Grenzen wären – trotz aller Veränderungen, die ein Wald in mehreren Jahrzehnten erfährt – auch heute noch zu finden.
An drei Seiten reichte der Schlaggenwalder Wald bis an ein Wasser: in der Zech bis an den Flutbach, ab Nallesgrüner Bahnbrücke den Reinbach aufwärts und über das Dreihäuserner Brückl und das Jessl-Kreuz zum Ebmetgraben. An diesem Graben entlang führte ein Steig, der im Hisserling annähernd als Waldgrenze anzusehen war. Einstmals, bevor 250 ha Wald zur Stadt Elbogen kamen, verlief die Grenze „In der Greim" weiter am Reinbach bis zum Muckengrund.
Der Wald bestand in unseren Revieren zu mehr als 80% aus Fichten (Rottannen – lat. picea abies); meist waren es reine Forstkulturen. Waldarbeiterinnen versetzten unter gewissenhafter Aufsicht des Hegers, oft nach der Schnur, in langen Reihen die in der Pflanzschule auf der Ziegelhütte selbstgezogenen jungen Fichten.
Ursprünglicher Wald war nicht mehr vorhanden. Jedoch könnten die Restbestände von Altbuchen auf dem Kaiserberg über der Zech und auf der damals abgeholzten, kahlen Hochfläche des Krudums als Beweis dafür gelten, daß der Wald früher einmal Mischwald mit einem höheren Laubholzanteil war.
Der pflanzengeographisch zur mittel- und süddeutschen Hügelregion gehörende Kaiserwald veränderte sich in weiten Bereichen durch die Einwirkung des Menschen mit seiner wirtschaftlichen Zielsetzung zum reinen Fichtenwald.
In den folgenden Jahren zogen die Frauen mit Sicheln in die jungen Fichtenkulturen, um die Bäumchen von Gras, Farnkraut, Himbeeren, Brombeeren, Disteln, Weiden- und Birkensämlingen freizuhalten. Nach 5–8 Jahren wurden, befugt oder nicht, Christbäumchen entnommen. Wenn dann die Äste der jungen Fichten sich zusammenschlossen und die unteren Zweige mangels Licht ihre Nadeln verloren, krochen schon die „Schwåmmårå" auf allen vieren durch das Dickicht. Wieder Jahre später sägte man Stangen für Zaunstecken, Obstbaumstützen, Kleeböcke, Wiesbäume, Hochstände und Ruhebänke heraus, nagelte aus ihnen auch Stege über Gräben und belegte Steige über sumpfige Stellen in den Wiesen. In „diān Stanglān", die gängige Bezeichnung für einen 15–20 Jahre alten Fichtenbestand, konnte man dann schon aufrecht gehen. Allmählich entstanden Lücken. Die Pflanzenreihen waren aber noch lange zu sehen. Der Boden in diesen dunklen Gängen war kahl, ohne Blumen und Kräuter, nur mit abgefallenen, vermulmten Fichtennadeln, mit „Schuārā", bedeckt (vermulmt = trocken vermodert). Kleine Rotkappen, Steinpilze, „Eiåschwammålå" (Pfifferlinge), vielerlei Täublinge und andere Pilze ließen sich finden. An den Rändern dieser Waldstücke siedelten Farn- und Hasenkraut (Besenginster), Waldwachtelweizen, Erika (Heidekraut) und die beliebten „Schwååzbåån" (Heidelbeeren), an den Südseiten breiteten sich kleine Flecken „Grasltzbåå" (Preiselbeeren) aus. Dort wuchsen auch die großen Pilze (mdal. „Lembl" genannt), von denen es sich lohnte, „Schwåmmåschnitzl" zu backen. Espen- und Birkensamen flogen an und wuchsen zusammen mit Kiefern, Haselnuß, Schlehen und vor allem mit „Hånnåbuttnstaudn" (Hagebutten) auf.
Immer noch standen die in Reih und Glied gepflanzten Bäume zu eng beieinander. Der Förster kam zum „Anreißen" (Kennzeichnen der Stämme), und bald folgten die Holzhauer zum Durchforsten. Sie sägten dürre, kranke und zu dicht stehende Bäume um und setzten sie zu Brennholzmetern (Raummetern) auf. Die Bewohner der Stadt wurden durch Austrommeln zur Lizitation (Versteigerung) eingeladen: „Treffpunkt um halb drei am Alisteich." Grubenholz schnitt man auf 2 m Länge zu.
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