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stellte bewältigten eine umfangreiche Korrespondenz in allen Kultursprachen wie auch alle kaufmännischen Obliegenheiten. Mit Direktor Neidhart (bis 1934) ist stellvertretend einer der Direktoren genannt, der, neben dem jeweiligen Besitzer, mit einem Stab von Mitarbeitern das Unternehmen leitete. Die Post zum Schlaggenwalder Postamt besorgte Herr Lang mit seinem Einspänner; das „Post-Langl" und sein Pferdchen waren ein Herz und eine Seele. Sein Nachfolger Hoffmann bediente sich eines dreirädrigen Lieferautos.
Von den am Arbeitsprozeß beteiligten Porzellanschaffenden, wie Dreher, Maler, Obermaler, Packer, Druckerin, Glasiererin, Gießerin, Schleifer, Modelleur, Büroangestellter usw., entstammten mitunter mehrere Personen einer Familie oder Sippe, denn der größte Teil der Bevölkerung lebte vom Porzellan.
Nach dem Grundsatz „Leben und leben lassen" beteiligten sich unsere Porzelliner auch an den üblichen Veranstaltungen, wie Fasching, Kirchweih und anderen festlichen Anlässen. Witzbolde, besonders unter den Malern, machten oft von sich reden, und lustige Begebenheiten, vermengt mit menschlichen Schwächen, erheiterten die Runde. Man lachte gern über die „Blaumacher" oder solche, die am Montag mit einem „Kater" zur Arbeit kamen. Natürlich fehlten auch die Originale nicht, wie der „Zillerer Hans", der „Houter Schorsch" oder der „Putz Tani" (Uhrmacher), über deren witzige Einfälle oder Aussprüche es manches zu lachen gab. Die kulinarischen Genießer verschafften sich mit „Blut- und Leberwurst-Tagen" oder mit zur Arbeit gebrachtem „Saurem" bzw. appetitlichen Wurstplatten Abwechslung im täglichen Einerlei.
Die Zeiten friedlicher Arbeit und segensreichen Aufbaues wurden durch den Krieg und seine Menschenverluste empfindlich gestört und schließlich durch die Vertreibung schmerzlich beendet. Der Krieg brachte auch Einschränkungen in der Produktion mit sich. Bis zu seinem Ende im Jahre 1945 trat eine Verelendung unserer Keramikindustrie ein.
Im Jahre 1946 mußten auch die meisten Fachkräfte die Heimat verlassen, aber ein ganzer Stab von Porzellinern des Egerlandes wurde zur Fortführung der Betriebe zunächst noch zum Bleiben an der alten Arbeitsstätte verpflichtet.
Die meisten der vertriebenen Facharbeiter, Techniker und Künstler hat die in Bayern hochentwickelte Porzellanindustrie beschäftigen können. Auch einige Porzellanmalereien aus der Heimat haben sich hier wieder als selbständige Betriebe niedergelassen. In der Bundesrepublik wurden unsere sudetendeutschen Fachkräfte so gleichwertig eingesetzt, daß sie sich wertmäßig behaupten und weiterentwickeln konnten. Anders verhielt es sich mit den in der alten Heimat verbliebenen Landsleuten.
Informationen zufolge soll die Produktion mit teilweise betriebsfremden Kräften im staatlichen Konzern „Karlovársky porculán" (= Zusammenfassung der im Karlsbader Raum seit dem 18. Jh. konzentriert ansässigen Porzellanbetriebe, zu deutsch: Karlsbader Porzellan) ein gewisses Niveau erreicht haben. Die zurückgehaltenen deutschen Fachkräfte waren es, die den Nachkriegsstand dieser unter den widrigen Umständen arbeitenden tschechischen Porzellanindustrie bewahren halfen.
Deutsche und Tschechen im böhmisch-mährischen Raum haben jahrhundertelang zusammengearbeitet und sich in vielen Bereichen günstig beeinflußt. Die adeligen Tugenden empfehlen uns, „unter allen Umständen für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten" (justitia regnorum fundamentum^x)). Es ist zu hoffen, daß die Bereitschaft zu einem Neubeginn auch beim tschechischen Volk und seiner Regierung auf fruchtbaren Boden fällt.
x) Die Gerechtigkeit ist die Grundlage jeder Herrschaft.
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