Mustermalern, Graveuren und Obermalern gab es starke Talente. Diese schöpferischen Kräfte, vorwiegend aus einfachen Verhältnissen kommend, entfalteten ihre Fähigkeiten aus der Arbeit heraus, ihre Entwürfe waren in Form und Dekoration meist den praktischen Bedürfnissen angepaßt und wurden ein wirtschaftlicher Erfolg. So schufen z.B. Obermaler Hanika in den zwanziger Jahren und akad. Maler Emil Stefan in den dreißiger Jahren eine Reihe amerikanischer Dekore, die lange Zeit Riesenaufträge einbrachten und von vielen Fabriken nachgeahmt wurden.
Im Privatleben unserer Porzelliner konnte man verschiedene Neigungen feststellen, wie z.B. als Amateuruhrmacher, Fotograf, Jäger, Tierpräparator, Musiker usw. Viele Porzelliner wirkten in der Stadtkapelle mit. Obwohl sie gern politisierten, blieben sie dennoch - oder gerade deshalb - gute Schlaggenwalder. Sie waren rechtschaffen und verständig und wälzten manchmal Probleme, die selbst einen echten Gelehrten in Verlegenheit gebracht hätten. Auch so mancher städtische Angestellte, Polizist oder gar Bürgermeister war vorher ein gelernter Dreher oder Maler.
Nun einige Bilder aus der „guten, alten Zeit":
An jedem Werktag konnte man frühmorgens zwischen 6 und 7 Uhr viele Männer und Frauen eiligen Schrittes dem Zechtal zustreben sehen. Es waren die Porzelliner, die zu ihren Arbeitsplätzen strömten. Manche fuhren auch mit dem Rad, dem Autobus oder der Bahn. Unter ihnen gab es recht originelle Typen, zu denen in früheren Jahren auch der „Houter Schorsch" zählte, der immer schlurfend und knieschiebend in die Arbeit ging. Das Auffallendste an ihm war der bauchige „Kaffeekutārā" (Behälter), den er an einem Trageband hängen hatte. Wenn dem Schorsch in der Fabrik etwas nicht behagte, fing er laut zu schimpfen an, was überaus belustigend wirkte, da bei ihm die Sprache nicht ganz in Ordnung war. Seine Kollegen meinten nur: „Dā Schorsch referiert, dāu gröing mā ānnās Wettā."
Am Abend sah man die Porzelliner wieder in kleineren und größeren Gruppen von der Arbeit zurückkehren. Ihre Gesichter wirkten abgespannt und müde, hatten sie doch einen anstrengenden Tag hinter sich. Je nachdem, ob sie im unteren oder oberen Teil der Stadt wohnten, hatten sie einen Weg zwischen 30 oder 45 Minuten zurückzulegen. Bei manchem ließen weiß eingestaubte Schuhe die Art der Arbeit erraten. Für die Maler war harziger Terpentingeruch kennzeichnend, der ihrer Kleidung entströmte, wie auch ein kleines Bäuchlein, das sich durch die sitzende Arbeitsweise gebildet hatte. Vor allem die jungen Leute waren am Heimweg meist guter Dinge, vielleicht, weil sie sich auf das abendliche Stelldichein freuten.
Früher führte der einzige Arbeitsweg zur Porzellanfabrik über die Elbogener Straße. Später kam der längs des Zechtals auf der Bahnseite angelegte „Neue Weg" hinzu, der an der „Schießstatt" unterhalb des Gänsdörfls begann und knapp vor der eigentlichen Fabrik wieder in die Zechtalstraße einmündete. Er führte größtenteils durch Laub- und Nadelholz und war den Fußgängern sehr willkommen. Gelegentlich gingen manche Naturliebende übern Wolfshof oder im Rein- bzw. Silberbachtal schwammerlsuchend heimwärts; sie kannten die Pilzplätze gut.
Rückte die Mittagszeit heran, kamen die „Essntrochāweiwā" mit ihren Handwägelchen angefahren, auf denen sich in Körben das Mittagessen für ihre „Kundschaft" befand. Diese diensteifrigen „Weiwā" diskutierten auf dem Hin- und Rückweg eifrig alle Neuigkeiten und erzählten sie gern weiter. Da sie den kleinen Wagen vor sich herschoben, konnten sie ja auch schön „plauschn". Die kulinarische Ladung mußten sie für 10-15 hungrige „Abonnenten" in kurzer Zeit an die Arbeitsplätze bringen. In der Eile kam es manchmal vor, daß Kaffeeflaschen, Suppenkrüge und Tiegel vertauscht wurden und sich daraus
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