Kauf der Bergwerke und der Herrschaft Petschau (1570/1600)**
Auf Heinrich V. von Plauen folgten im Besitz der Herrschaft Petschau die Grafen Schlick, Herren von Passaun und Weißkirchen. Diesen schien der Reichtum der Bergstadt ein Dorn im Auge gewesen zu sein, denn schon 1557 begannen die Streitigkeiten um verschiedene Wasser-, Mühlen-, Zoll-, Berg- und Schuldenrechte. Schlaggenwald war um 1500 durch den Bergbau sehr vermögend geworden; es lieh den allzeit bedürftigen Grafen Geld und wurde dadurch Gläubiger Schlicks; das war der Anfang zum vollständigen Erwerb der Stadt und Herrschaft Petschau. Um diese Zeit schuf der Rat auch die Grundlage für den Waldbesitz. Das große Waldgebiet Schlakkos von Riesenburg war nach dem Sturze Pflugs von Rabenstein in den Besitz des Kaisers übergegangen und führte seit dieser Zeit den Namen „Kaiserwald". Sein Holzertrag war ausdrücklich für den Bedarf der Bergwerke bestimmt, und ohne besondere Erlaubnis durfte nichts anderweitig verkauft werden.
1538 stimmte die Gemeinde der Aushebung von 400 Mann für den Türkenkrieg zu (als freie, eigentlich „befreite" Stadt war sie zu keiner Kriegsleistung verpflichtet), und als 1566 neuerdings die Türken gegen Österreich zogen, da stellte die Stadt abermals freiwillig dem Kaiser 400 Bürger und 700 Bergleute bewaffnet und besoldet ins Feld. Diese Leistung zeigt, über welche Geldmittel die Bergstadt damals verfügte und mit welcher Treue sie an Kaiser und Reich hing. Der Abgang an Arbeitskräften wurde bald wieder durch neu zugezogene Bergleute ausgeglichen, obwohl niemand in die Stadt aufgenommen wurde, der nicht seine Geburt dokumentarisch durch den sogenannten Geburtsbrief nachweisen konnte. Von Ungarn bis Worms am Rhein, von Nordsachsen bis Österreich kann man die Heimatorte der Zugewanderten verfolgen. Die meisten kamen, um ihr Brot als Bergleute oder Handwerker zu verdienen.
Da die Grafen Schlick nicht imstande waren, der Stadt die geliehenen Gelder zurückzuzahlen, begannen 1570 die Unterhandlungen wegen des dauernden Erwerbs von Petschau samt Gebiet. Weil die Bergstadt nicht über das zum Kauf notwendige Bargeld verfügte, erboten sich reiche Nürnberger Patrizierfamilien, für den Nießbrauch der Herrschaft und besonders der Bergwerke den Kaufschilling vorzustrecken. Die Stadt ging nicht auf das Angebot ein. Wenige Jahre später sah sie sich jedoch genötigt, die Hilfe der Nürnberger Geldleute zu beanspruchen, tätigte den Kauf, befriedigte Schlicks Gläubiger zur Gänze und wurde nun auch Herrin von Petschau samt Gebiet. Der Magistrat kaufte außerdem unter Mitwirkung der Bergknappen die unterhalb des Ortes gelegene Kornmühle und baute sie zu einer Malzmühle um. Diese Aktionen um 1597 hatten den Stadtsäckel vollständig erschöpft. Die kaiserliche Genehmigung wurde 1600 erteilt. Der Kaufpreis betrug 28.000 Taler. Die Petschauer leisteten ihrer neuen Herrschaft den Lehnseid, und Schlaggenwald gelobte, der Stadt allzeit eine gütige Herrin zu sein. Sie führte eine neue Marktordnung gleich der Schlaggenwalder, eine Polizeiordnung und andere notwendige Maßnahmen ein. Der von Schlick übernommene Schloßhauptmann erhielt eine neue Dienstordnung und ein für die damaligen Verhältnisse sehr gutes Gehalt.
Durch die Geldnot sah sich der Stadtrat genötigt, den Kugelhof zu verkaufen. J. Köppel von Adlersfeld erwarb ihn und trat ihn der Stadt für 2150 fl.rh. wieder ab. Der Hof wurde zum freien Stadtgut erklärt.
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