Als er einmal aus der Stadt gegen Schönfeld wanderte, erkannte er „in beglückendem Schauen" im Treiben und Handeln der Knappen Sinn und Ziel dieser Arbeit, und die Schleusen seines Geistes öffneten sich im unermeßlichen Reichtum seiner Gedanken.
An diesem Tage sah er mit den Augen des Sehers, hörte er mit dem Ohr des Entzückten und verwandelte mit der Kraft des Schaffenden alles Wesenhafte ins Heroische. Baracken und Zelte nennt er herrliche Dinge, die Haspelförderung am Gestein wird ihm zur trefflichen Kunst, und er entdeckt eine neue Welt, die noch niemand kennt und in die noch niemand den Weg fand.
Bald ist Caspar mitten unter den Knappen und führt die Pferde, treibt die Maschinen an, entzündet den Holzstoß unter dem Erzgestein oder regelt die Mühle. Bald sitzt er halbwegs am Berg des tauben Gesteins und schreibt in lateinischen Sätzen das „Hohe Lied auf die Schlaggenwalder Hub" auf ein Stück Pergament. Er muß seine Gedanken bezähmen wie ein ungezäumtes Roß seine Kraft. Wie in ein Bild klarer Farben und Kompositionen fügen sich Menschen und Pferde, Mühlen und Felsen, Werkzeug und Göpel in die Ordnung seiner Gedanken ein. Und über die sichtbaren Wesen und Dinge hinaus schaut er das unendliche Wirken voraus:
...
„die aus niederem Stand, von armen Eltern geboren,
jetzt an Schätzen vergleichbar sind dem lydischen Krösus,
...
oder es stößt, wenn es will, denselben wieder ins tiefste
Unglück und bitterste Leid vom vollen Tische der Freuden,
ihm entreißend das Gut, mit dem es kürzlich begabt ihn."
...
Darüber erschrickt Caspar Brusch. Wer gab ihm wohl diese Gedanken ein? Warum schürft man nach Erz, wenn es im Wechselspiel des Geschicks wie ein Versucher immer segnet und verflucht? Aber er klammert sich nicht daran, nützt die Schöpfungsstunde und singt von der Scheidung des Gesteins, vom Schmelzofen und vom Fluß der weißlichen Massen des Bleis. Noch einmal zitiert er Schweiß und Mühe und, die Armut durch Fleiß gleichsam mit fliegendem Helmbusch verscheuchend, ruft er den Bergleuten abschließend ein fröhliches „Glück auf!" zu.
Entrückt noch von der Gnade des Schaffens tritt er unter die Knappen, die lächelnd dem „närrischen" Meister zuhören.
„Jawohl", sagt Caspar Brusch, „es geschieht nichts nur für den Augenblick. Alles wird umgemünzt in lebendiges Leben, sobald es nur Atem von unserem Geist empfängt."
Und so war das schönste Loblied auf den Bergbau geboren, das im Spätmittelalter aus dem deutschen Raume Böhmens gekommen ist:
„Das Loblied
auf die Schlaggenwalder Hub."
[obr] Caspar Brusch als gekrönter Dichter
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