Zu vorstehender Darstellung noch eine Ergänzung bezüglich des Rauchabzugs und der Sauerstoffzufuhr:
Georg Agricola (1494–1555) schreibt schon in seinem Werk „Berg- und Hüttenwesen", daß der Rauch durch Schächte und Stollen „ausgestoßen" wurde. Rauch und Schlechtwetter verursachten Atembeschwerden. Nicht selten waren die Schwaden giftig und in der Lage, Mensch und Tier zu töten und sogar das Eisen zu „verzehren"; brennende Lichter erloschen. „Wettermaschinen" saugten Luft ab und führten Frischluft zu. Vorsichtige Bergleute zündeten am Freitag abends die Holzstöße an und fuhren nicht vor Montag wieder in die Schächte ein.
Auch Karl Prosch berichtet, daß zur Belüftung zusätzlich Luftschächte niedergebracht werden mußten. So hatte der Kaspar-Pflug-Stollen allein 24 Luft- und Einstiegsschächte.
Caspar Brusch, latinisiert in Bruschius, geb. 19. Aug. 1518, war in seiner Zeit ein berühmter Sohn der Stadt.
(Siehe auch Beitrag „Bedeutende Männer aus Schlaggenwald".)
Er berichtet über Schlaggenwald in seiner Beschreibung des Fichtelgebirges vom Januar 1543, daß „die Stadt sehr berühmt sei durch das Zinn, soweit Weichsel, Rhein und Donau fließen". Auf großen Lastwagen wird es „in fremde Länder" und „entfernte Reiche" gefahren. Die Stadt ist eingeschlossen von „vier steilen Thälern; von allen Seiten sieht man durchhöhlte Berge..." Er beschreibt die Arbeiten einer Schar von Bergleuten: „Der eine gräbt Gruben, der andere schafft die schweren Haufen weg, der dritte zieht aus den Gruben ungeheure Steinblöcke, ein anderer schichtet Steinmassen zusammen, dieser brennt durch Feuer, ein anderer zündet unter diesen Haufen Feuer an und macht diese weich, sodaß Felsblöcke gleichsam in feinem Sand zerbröckeln..."
In seinem Buch „Narratio calamitatis quam perpessa est urbs Schlaggenwaldensis" (Schilderung von Unheil, das die Stadt Schlaggenwald heimgesucht hat) berichtet er über ein Elementarereignis+), das im Ort großen Schaden verursachte, erkennt es als Strafe Gottes und ermahnt seine Landsleute zu einem gottgefälligen Lebenswandel.
Bruschius konnte sich nicht mit der Reformation befreunden. Er gehörte zu einer Gruppe von Neutralen, die zwar die protestantische Reformbewegung befürworteten, sich aber scharf sowohl gegen den katholischen Klerus als auch gegen protestantische Eiferer wandten, die ihm in ihrer antikatholischen Hetze genauso kulturfeindlich erschienen. Vermutlich ist ihm seine scharfe Feder zum Verhängnis geworden; am 20. November 1557 wurde er meuchlings ermordet.
Obwohl Studium und spätere Tätigkeiten ihn von seiner Heimatstadt fernhielten, blieb er ihr und besonders dem Erzbergbau fest verbunden. „Diese Stadt ist mein liebes Heimat- und Vaterland...", schrieb er. Er besuchte die Bergleute in den Schächten und lernte das Ausmaß dieser unterirdischen Welt und ihre Gefahren mit eigenen Augen kennen. Ihre oft geisterhaften Geschichten von den unheimlich anmutenden Vorgängen in den Stollen ließen ihn ihre Not erahnen. So nahm er Bilder in sich auf, die ihn veranlaßten, ein Loblied über den Bergbau in lateinischer Sprache zu verfassen, in dem die genaue Darstellung technischer Dinge auffällt. Voll tiefen Mitgefühls gedenkt er der mutigen Bergleute in seiner Heimat, der er, nach eigenen Worten, alles verdankt, beschreibt Arbeiten und Vorgänge bei der Erzgewinnung in den Schächten und Stollen und die für die Bergknappen gefährliche Welt.
Seine Werke, mit unglaublichem Fleiß geschaffen, sind auch heute noch eine Quelle geschichtlicher und kulturhistorischer Forschung. Er gilt als heimattreuer und volksbewußter Gelehrter.
+) Bericht vom Hochwasser siehe „Heimsuchungen", Abs. 2
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