Fremde finden freundliche Aufnahme. Straßen, Wege und die Gleise des Bahnhofs auf der Anhöhe schaffen Verbindungen zu benachbarten Städten und Dörfern.
Im kleinen, weitgehend selbständigen Gemeinwesen geht alles seinen geregelten Gang, hat alles seine unentbehrliche Funktion und jeder seinen Platz. Jeder kennt jeden. So ist Heimat im engeren Sinn der Umkreis, gerade so groß, daß er überschaubar eine „natürliche Welt" bildet, in der eine gesicherte Fortführung der überlieferten Lebensweise gewährleistet ist, eine Insel des Verstandenseins, die auch ein Gefühl für diese enge Gemeinschaft entwickeln läßt.
Heimat ist sprachlich ein Wort ohne Mehrzahl, obwohl eine Vielzahl davon einen größeren Verband ergibt und ein Vaterland ohne sie nicht denkbar wäre. Wenn der Staat seinen Bürgern eine solche Heimat gibt und für dieses Recht einzutreten bereit ist, wird er eine feste Grundlage schaffen, auf der nicht nur seine innere Ordnung, sondern auch die Liebe, Opferwilligkeit und die Bereitschaft seiner Menschen beruhen, diese Heimat bei Bedrohung mit Leib und Leben zu verteidigen.
Heimat ist für den Menschen lebensnotwendig. Goethe wußte unsere Volksweisheit: „Man geht gerne einmal fort, aber auch gerne wieder heim" in die Fassung zu kleiden: „Es ist gar schön, an einem Ort fremd zu sein, und doch so notwendig, eine Heimat zu haben."
Was Heimat wirklich ist, läßt sich nicht für jedermann eindeutig und verbindlich angeben. Mit „Heimat" bezeichnen wir ein ganz persönliches Verhältnis zu einem Heim, einem Hof, Dorf, einer Stadt, einem Land und zu Menschen und meinen damit nicht diese selbst, sondern was sie dem einzelnen bedeuten. Kinder sehen die Heimat anders als die Alten, und jede Generation hat ihr eigenes, fest eingeprägtes Bild aus der Jugendzeit. Das Heimatgefühl muß in einem langen, für die Entwicklung des Menschen wichtigen Zeitraum ungestört wachsen können, bis es als Heimatliebe für immer im Herzen verankert ist. Fahrendem Volk und Nomaden sind Heimatbegriffe weitgehend fremd.
Jeder Mensch hat ein Naturrecht auf Heimat, das ihm niemand streitig machen darf. Es ist unveräußerlich, und ein Verzicht darauf ist rechtlich nicht möglich. Am Zustand der Heimat haben alle Generationen ihren Anteil. Somit läßt sich das Recht auf Heimat auch geschichtlich begründen.
Albert Schweitzer, der große Humanist aus dem Elsaß, Urwaldarzt in Lambarene (Afrika) und Prediger der „Ehrfurcht vor dem Leben", verurteilt Vertreibungen so: „Einem Menschen die Heimat zu nehmen, ist das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit."
Heimat ist unbestritten ein in vielen Generationen geschaffener, geordneter und gesicherter Lebensraum, aber auch eine Aufgabe, diese Kulturlandschaft zu pflegen und bewohnbar zu halten. Sie ist eine in langen Zeiträumen gewachsene und wohlgegliederte Einheit, eine Gemeinschaft von Menschen gleicher Art und Herkunft, gemeinsamer und eigenständiger Muttersprache (Mundart) und überlieferter Sitten, die Denken und Fühlen prägen. „Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird", sagt Christian Morgenstern.
Weit spannt sich dabei der heimatliche Lebensbogen: Wurzeln schlagen in einem kernigen Stück Egerländer Erde, die Märchen der Kinderzeit, die Sagenwelt der Vorfahren, das Aushecken der Bubenstreiche, der Myrtenkranz der Erstkommunion, die Seligkeit der Jugendträume, das Innewerden der ersten Liebe, das Ticken der alten Standuhr, Heiligenbilder über den Bettstellen, die harte Hand des Meisters, der Stolz auf den Gesellenbrief, der Tausch der Ringe am Traualtar, fröhliches Kinderlachen in den Stuben, Trauer am Elterngrab, Todesangst im Schützengraben und Luftschutzkeller, verhärmtes Antlitz aus Not, Gefangenschaft und Haft, Rechtlosigkeit, Willkür und Vertreibung, letzter Blick voller Wehmut auf Haus und Hof, Abschiednehmen vom Land der Ahnen und ihrem Erbe,
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