Wasser des sumpfigen Waldgebietes in einem großen Teich in der Nähe des ehemals Fürstlich Schönburg'schen Jagdschlosses Glatzen gesammelt und in fast 30 km langem Lauf an Sangerberg vorbei gegen Schlaggenwald geführt wurden. Zum 1529 begonnenen Kanal gehörten noch eine Reihe größerer und kleinerer Teiche, die das Schmelzwasser des Frühjahrs und die Wassermengen der sommerlichen Regenfälle aufspeichern und in der regenarmen Zeit den Bergwerken und Pochmühlen zuführen mußten. Knapp oberhalb Schönfeld teilte sich der Flößgraben: Ein Teil seines Wassers sammelte sich im „Langen Teich" bei Rabensgrün, von wo es den Grubenbetrieben in der Seifertsgrün zufloß, der andere Teil strebte anderen Teichen zu, die ihre Abläufe dem „Großen Teich" zuführten, dessen Abfluß der Stadt zugeleitet wurde. Mitten in der Stadt Schönfeld teilte sich der Flößgraben ein zweites Mal. Einen Teil seines Wassers führte man über den „Heinzengraben" dem „Heinzenteich" und von diesem dem „Kasnapteich" zu, und dessen Abfluß wiederum vereinigte sich im Sackdamm mit dem Ebmetgraben, wodurch das weitverzweigte Kanalsystem zu einem Ganzen vereinigt war. Eine Meisterleistung!
Das Flößgrabenwasser für die Bergwerke auf der Hub wurde beim „Teilhäusl" oberhalb Schönfeld abgezweigt; es sollte den Pochwerken genügend Betriebswasser zuführen, die Erzwäscherei mit Wasser versorgen und die „Wasserkunst" am Huber Hauptwerk in Betrieb halten. Die „Wasserkunst" war ein riesiges Pumpwerk in der Tiefe der Erde, das die Grundwasser hob und so den Betrieb ermöglichte.
Der Flutbach (die Flut) ist die Fortsetzung eines Teiles des Flößgrabens, der durch Schönfeld floß. Er sammelte weiter abwärts die aus diesem Graben über die Hub geleiteten Wasser und nahm die aus dem Heinzen- und Ebmetgraben sowie die über Rabensgrün und die Seifertsgrün geführten Abläufe mit dem Seifertsgrüner Bach wieder auf. Durch sein beträchtliches Gefälle betrieb er von Schönfeld bis Elbogen verschiedene Fabriken, Mühlwerke (drei Schönfelder Mühlen, in Schlaggenwald die Schleifmühle Füßl, die Loh-, Korb-, Herrn- und Klöpperlmühle), ferner Brettsägen, Pochwerke, Spinnmaschinen, mechanische Werkstätten und die Porzellanfabrik Haas & Czjžek. Vom Hubwerk bis Schlaggenwald gab es acht Pochwerke, die mit Stempeln das metallhaltige Gestein zerkleinerten. Außerdem soll dort eine Schmelzhütte gestanden sein.
Dem aus den Poch- und Schwemmungsvorgängen zum Flutbach abgeschwemmten „After" (feiner Zinnerzsand) „wird nicht nur in der Nähe der Mühlen, sondern auch noch in einer Meile Entfernung bei Elbogen" aus dem Bach „eine beträchtliche Quantität Zinnstein ausgeseifnet". – Goethe besuchte auf einem Ausflug von Karlsbad die Schlichwäscherei im Flutbach unterhalb der Stadt, wo aus den zu einem feinen Pulver gepochten Erzen die leichteren Schlamm- und Steinteile von den schwereren Erzteilen abgeschwemmt wurden. Da sich im Jahre 1811 – das Jahr seines Besuchs – unterhalb von Schlaggenwald keine Pochwerke befanden, an die sich stets Schlichwäschereien anschlossen, so können darunter nur jene periodisch in 5–10 Jahren angelegten Wäschereien gemeint sein, die das von den Huber-Pochwerken durch starkes Gefälle abgeschwemmte Zinnerz „ausseiften". Dieses Verfahren hieß „Aufsäuberung"; man konnte damit mehrere Zentner Zinn gewinnen.
Über den Flutbach, der die Stadt in Süd-Nord-Richtung durchfließt, führten 22 gewölbte Stein- und 6 hölzerne Brücken. Rechnungen, die die Pflasterung der Stadt im Jahre 1529 belegten, waren noch bis in unsere Zeit (1946) erhalten. Durch die Verwendung der etwas holprigen Feldsteine fiel manchem das Radfahren schwer, aber man konnte bei nassem Wetter doch trockenen Fußes durch die Gassen der Stadt gehen.
Im Berggedächtnisbuch ist auch der erste Bergarbeiterstreik, ein sogenannter Sympathiestreik, im Jahre 1525 vermerkt; die streikenden Bergleute lagerten bei St. Anna in der
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