Gruß- und Geleitworte zum Schlaggenwalder Heimatbuch
Eine der größten Schwächen Deutschlands in den letzten Jahrzehnten war die Geschichtslosigkeit. Man hat den jungen Menschen die Kenntnisse ihrer Vergangenheit geraubt, und nur in wenigen Bundesländern wurde noch richtiger Geschichtsunterricht erteilt. Dadurch hat die junge Generation vielfach die Fähigkeit verloren, einen politischen Plan zu erstellen.
Es ist daher umso verdienstvoller, wenn sich Menschen, ganz besonders aus dem Kreise der Heimatvertriebenen, damit befassen, die Geschichte wieder lebendig zu machen. Nur wer im eigenen Boden fest verwurzelt ist, wird auf die Dauer sich auch anderswo durchsetzen können. Was daher heute auf diesem Gebiete geschieht, ist tatsächlich Dienst am ganzen Volk.
Gerade unsere Heimatvertriebenen haben sich diesbezüglich beispielgebend betätigt. Das zeigen die zahllosen Heimatmuseen wie auch die Heimatbücher. Der Übergang von der Erlebnisgeneration zur Bekenntnisgeneration wird auf diese Weise vorbereitet und durchgeführt.
In diesem Sinne begrüße ich ganz besonders die Veröffentlichung des „Schlaggenwalder Heimatbuches". Es steht dafür, den Gedanken an die alte kaiserliche, sudetendeutsche Stadt wachzuhalten. Das ist aber nicht nur eine rückwärtsgewandte Aufgabe. Es ist vielmehr Dienst an der Zukunft. Denn der, welcher der Gegenwart Ewigkeitswert verleiht, ist kein Realist; sachlich und zweckdienlich ist man nur, wenn man die Werte der Vergangenheit für die Zukunft einbringt.
In diesem Sinne wünsche ich dem „Schlaggenwalder Heimatbuch" viel verdienten Erfolg.
Otto von Habsburg
Seit vielen Jahrhunderten siedeln wir Sudetendeutschen in unserer Heimat in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien – in einer Heimat, die wir niemandem weggenommen, aus der wir niemanden vertrieben haben, sondern die unsere Vorfahren „aus wilder Wurzel" gerodet, erschlossen und aufgebaut haben.
Schlaggenwald, das schon im Jahre 1300, also vor fast 700 Jahren, zur Stadt erhoben wurde, ist ein besonders gutes Beispiel für die kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Leistungen der Sudetendeutschen in ihrer Heimat, und es ist notwendig und verdienstvoll, daß die Geschichte Schlaggenwalds und seiner Bürger nun aufgezeichnet und dokumentiert wird, damit nachfolgende Generationen erkennen können, wie sehr wir uns durch jahrhundertelange Arbeit das Recht auf unsere Heimat erworben haben.
Unsere Zeit neigt dazu, Vergangenes verdrängen und vergessen zu wollen und breite, bequeme Wege zu suchen – Wege, die allerdings oft keine Zukunft haben, sondern sich schon nach kurzer Zeit als Sackgassen erweisen. Nur wer weiß, woher er kommt, wer die Vergangenheit kennt, ist wirklich in der Lage, sinnvolle und erfolgreiche Wege in die Zukunft zu finden. Und so ist jede Dokumentation, jede Chronik, jedes Heimatbuch gleichzeitig auch ein Beitrag, ein Wegweiser in die Zukunft hinein.
Wir Sudetendeutsche sind mit der Vertreibung aus unserer Heimat nicht am Ende unserer jahrhundertelangen Geschichte angelangt. Wir wollen nach vorne sehen, um aus den
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