Ortsbild – Baustil – Schlaggenwald, die Stadt der schönen Haustore
Deutlicher noch als in der Chronologie der Ortsgeschichte drückt sich die Entwicklung Schlaggenwalds im Stadtplan und im unterschiedlichen Bauwerk aus.
Es gilt als historisch gesichert, daß sich die früheste Siedlung in der „Seyffahrtsgrün", der späteren Seifertsgrün, befand und mit dem Bergbau, zusammen mit der St. Annakapelle, im Ortsteil „Auf der Donner" entstanden war.
Eine Schutz- und Herrensiedlung mit einer kleinen Kirche wird am Hang des Glockenberges im Bereich der St. Georgskirche und des Pfarrhofes vermutet. Altes Mauerwerk soll teilweise als Unterbau für die Friedhofsmauer gedient haben. Die bürgerliche Siedlung in der Gründung Slawkos von Riesenburg wird man im Ortsteil Kirchstaffel und vor dem alten Gewandhaus sowie in seinen ihn umgebenden Winkelgassen erkennen müssen. Diese Altstadt drängte sich mit ihrem verbauten Raum bis an den Flutbach heran.
In ein Schlaggenwald dieses Umfangs war im Jahre 1501 als Stadtherr mit neuen Plänen Johann Pflug von Rabenstein eingezogen. Als neben seinen um 1510 in der Altstadt längs des Flutbaches erbauten Stadthäusern noch anderes Bauwerk und ein weiteres Viertel bis zur Seifertsgrün entstanden waren, sah man sich zu einer ersten Straßenregulierung mit Durchbruch der Altstadt und zum Abbruch von zwei Häusern gezwungen.
Auf Johann Pflug folgte für kurze Zeit Kaspar Pflug, der am 27.9.1543 eine Bauordnung erließ und Maßnahmen ergriff, um das bisher ungeregelte Bauen in der Zeit gewaltiger Zuwanderung einzudämmen.
Der blühende Bergbau zog auch kunstfreundliche Bauherren und Unternehmer aus Nürnberg und Sachsen an, denen wiederum Künstler und Handwerker folgten. Was diese an Werten schufen, davon legten Bauwerk und Plastik bis in unsere Tage ein gutes Zeugnis ab.
Mitte des 16. Jhs. hatte die Bergstadt bereits jenen Umfang erreicht, bei dem sie bis in unsere Zeit stehenblieb. Ein Brand im Jahre 1713 vernichtete einen großen Teil der unteren Stadt, auch die St. Annakirche und das Spital. Der Wiederaufbau ersetzte das hier verlorengegangene Ortsbild mit seiner charakteristischen Bausubstanz aus der Zeit nach 1500 durch einen mehr oder weniger barocken Stadtteil.
Neben diesen geschichtlichen Angaben erregten vor allem die architektonisch und historisch interessanten Bauwerke aus dem ausgehenden Mittelalter die Aufmerksamkeit von Fachleuten und Besuchern.
Das Rathaus am Marktplatz, ursprünglich als bürgerliches Wohnhaus nach 1500 errichtet, wurde 1583 bis 1586 unter der Leitung des Maurers Mathes Merklein großzügig umgebaut und erhielt mit den beiden Straßenfassaden das bekannte architektonische Bild. Gemauert wurde damals mit Sprudelstein aus Karlsbad.
Das Portal bleibt ohne Schmuck und Rahmen; dafür schließt das Kranzgesims mit seinem Bogenfries den eigentlichen Baukörper ab. Oberhalb baut sich nicht viel mehr als Blendarchitektur in reicher Gliederung auf. Sie täuscht ein oberstes Geschoß vor, das durch drei Dacherker mit Gesimsen geteilt und von niedrigen Blendgiebeln zur Einheitlichkeit verbunden wird. Mit gleichen Elementen wird die Architektur der reichgegliederten, fensterlosen Giebelwand bestritten. Hinter diesen Aufbauten verschwinden völlig die Dachflächen, deren First ein barockes Glockentürmchen mit Zwiebelhaube krönt.
Neben dem Stein- und Ziegelbau der vornehmen Häuser zog man vielfach für die oberen Stockwerke Fach- und Holzbauwerk vor, wie sie in höherliegenden Stadtteilen, z.B. im Bereich der Kirchstaffel, noch zu finden waren. Manche Fachwerkfassade verschwand allerdings mit der Zeit unter Verputz und Anstrich.
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