Berg hinan. Heute führt dort eine gar noble Chaussee zur Paßhöhe bis an den Fuß des Krudum hinauf, zu jener Zeit aber schlängelte sich ein recht holpriger Fahrweg bergwärts, der damals, von mächtigen Schneewehen bedeckt, ungangbar war.
Jung Studentenblut aber weiß sich immer zu helfen. Querfeldein über Aecker und Wiesen stapfen die zwei hurtigen Beine durch den hohen Schnee, wobei die blitzenden Augen unablässig nach der Richtung des Weges gegen Birndorf zu auslugten. Dieses Beginnen aber wurde dem unverdrossenen Vaganten jedoch von Minute zu Minute schwerer gemacht. Auf der Höhe droben hatte sich jetzt ein scharfer Wind erhoben, der die Schneeflocken wie aus Federbetten über die nächtliche Flur und den einsamen Bergfahrer ausschüttete. Dem aber klopfte sein Herzlein unter dem warmen Wamse immer lauter und hörbarer, sodaß er des öfteren rasten mußte. Dann stürmte er jedesmal auf's Neue in das tobende Wetter hinein, immer weiter und höher, keuchend und schweißtriefend vor. Anstrengung und Angst den Weg zu verlieren.
Und heim kommen mußte er h e u t e abends noch. D i e werden Augen machen! Bis jetzt war der Plan gut gelungen. Obzwar er schon seit Monden mit heißer Sehnsucht die Tage gezählt bis zu jenem Augenblicke, da er nach der ersten langen Trennung von Heimat und Elternhaus aus der fernen Studienstadt wieder zu den Lieben heimeilen konnte, hatte er doch in seinem letzten Brieflein geschrieben, daß er diesmal leider nicht dabei sein werde, wenn die liebe Mutter den Kindern das Christbäumchen herrichtet: der Weg sei gar zu weit und das Reisegeld noch nicht beisammen. Und jetzt kam er auf einmal doch! Das wird eine Ueberraschung geben. Gott, wenn nur schon bald einmal Birndorf erreicht wäre! — Jetzt geht es mit einem Male ein wenig ebener dahin, der schier endlose Berghang scheint überwunden, es kann nicht mehr so weit sein.
Da steht er jählings auch schon vor dem ersten Hofe, aus dem ihm heiseres Hundegebell entgegentönt. Die Stube ist hell erleuchtet, drinnen sitzen sie schon um den Tisch herum und falten die Hände, der heilige Abend ist da schon eingezogen. Sehnsüchtigen Auges und traurig zugleich
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